| U Sein Maung besass einen Lastwagen, mit welchem er zwischen seinem Heimatort Pyawbwe und der burmesischen Hauptstadt Rangoon Waren hin- und herbefördete und dabei auch gut zu leben schien. In jener Hauptstadt hatte er eine Nebenfrau. Als seine Frau davon erfuhr, folgte sie ihm heimlich nach Rangoon. Dort musste sie erleben, dass ihr Mann tatsächlich mit einer anderen Frau zusammenlebte. Sie war darüber dermassen erschüttert, dass sie sich das Leben nahm, indem sie Batteriesäure schluckte. Etwa fünf Jahre später fuhr Herr U Sein Maung mit dem Fahrrad zu seinen Eltern. Auf dem Rückweg hielt er in dem Dorf Okingone, das in der Nachbarschaft von Pyawbwe liegt, um ein paar Worte mit dem ihm bekannten Ehepaar U Pe Tin und Daw Khin Hla zu wechseln. Danach schwang er sich wieder auf sein Rad, um nach Hause zu fahren. Doch plötzlich stellten sich drei Männer mit schmalen Säbeln in seinen Weg, zerrten ihn vom Fahrrad herunter, wobei ihm seine Brille von der Nase fiel, und hieben mit den Klingen auf ihn ein. Er hob noch seine Hände vors Gesicht, um einen Schlag abzuwehren, wobei einige Finger abgehauen wurden. Schliesslich traf ihn ein tödlicher Säbelstoss von hinten an der unteren linken Seite, während ein anderer Schlag auf die Halsseite ihm nahezu den ganzen Kopf abtrennte. Als die Polizei an den Ort der Tat kam, fanden sie die abgetrennten Finger neben dem Leichnam liegen. Von den Mördern fand sich indes keine Spur, und sie wurden auch späterhin nie gefasst. Eigenartig blieb, dass jene drei Männer weder den wertvollen Ring, das Fahrrad noch andere Schmuckstücke des Ermordeten mitnahmen. Es ging das Gerücht, dass seine Schwiegermutter sich für den Tod ihrer Tochter rächen wollte und deshalb drei Mörder gedungen hatte, um ihren ehebrecherischen Schwiegersohn umbringen zu lassen. In derselben Nacht träumte dem Bauern U Pe Tin, der am Tag zuvor noch Herrn U Sein Maung auf dem Fahrrad bei sich begrüsst hatte, dass eben jener Besucher zu ihm käme und ihn bitte, in seiner Familie wiedergeboren zu werden. Und Herr U Pe Tin entgegnete im Traum, in dem er wusste, dass jener gestorben war: "Komme zu uns, wenn du es dir so wünschst." Erst am nächsten Morgen erfuhr er von dem Mord an Herrn U Sein Maung. Neun Monate später, am 12. Oktober 1956, wurde ihm und seiner Frau eine Tochter namens Ma Myint Thein (wir wollen sie im weiteren Thein nennen) geboren, deren Finger an beiden Händen entweder ganz fehlten oder verkürzt und verunstaltet waren. Von den beiden Daumen war nur der linke vollends normal. dassHerr U Pe Tin sich an den Ankündigungstraum erinnerte, wusste er nun, dass sich wirklich sein ermordeter Bekannter in seiner Tochter reinkarniert hatte. Erst ziemlich spät jedoch begann sich diese an ihr früheres Leben zurückzuerinnern. Als sie fünf Jahre alt war, spielte sie mit anderen Kindern und muss dabei erneut bemerkt haben, dass sie wegen ihrer verkrüppelten Finger nicht alle Dinge beim Spielen so handhaben konnte wie die anderen. Die Wehmut darüber muss wohl auf einmal bei ihr die Erinnerung an ihr früheres Leben ausgelöst haben, denn ihre Mutter hörte, wie die Kleine zu ihrem Bruder sagte: "Ich habe eine Frau im Süden (sie meint damit Rangoon). Ich gebe dir Bonbons, wenn du mich dorthin bringst." Und nun sprach sie häufiger zu ihrer Familie über ihr früheres Leben. So sagte sie, dass sie Sein Maung hiesse und eine Frau namens Ma Thein und zwei Kinder habe, deren Namen sie nannte. Sie habe früher Vieh, ein Fahrrad und einen kleinen Lastwagen besessen, mit welchem sie damals hauptsächlich im Gemüsehandel tätig war. Sie sprach auch davon, dass sie die Grundschulausbildung in einem Kloster absolviert hätte. Und schliesslich kam sie auch auf die Ermordung in ihrem früheren Leben zurück. Sie sagte, dass drei Männer sie mit grossen langen Messern (der Ausdruck für Säbel war ihr wohl noch nicht geläufig) angegriffen hätten. Sie sei vom Fahrrad gestürzt, wobei auch ihre Brille heruntergefallen sei. Ihre Finger seien deshalb verunstaltet, weil sie sich damals mit den Händen gegen die grossen Messer in dem Versuch, ihren Kopf zu schützen, gewehrt habe. Sie sagte, dass sie an jenem Tag einen Ring, eine Armbanduhr und ein goldenes Halsband getragen hätte. Sie konnte sich auf einmal auch an die Zusammenhänge erinnern, die diesem Mord vorausgegangen waren, und meinte, dass ihre damalige Schwiegermutter hinter diesem Mordkomplott stehe. Ihr Onkel fragte sie, ob sie wisse, wer die Mörder waren, und sie deutete ihm an, dass sie zumindest einen von ihnen kenne. Der Onkel drang in sie, ihr zu sagen, wer dieser sei, damit er sich an ihm rächen könne. Und Thein antwortete, dass er das nicht tun dürfe. Später, als sie auch von anderen nach Namen der Mörder gefragt wurde, verneinte sie, irgend jemanden von ihnen erkannt zu haben. Bei Thein zeigte sich eine Ortsphobie, denn sobald sie an dem Schauplatz ihrer früheren Ermordung vorbeikam, befiel sie ein Zittern. Und sie kam dort, solange sie in die Schule nach Pyawbwe ging, täglich zweimal vorbei. Auch hielt sie schon als Schulkind ihre Hände verborgen und geriet manchmal in Depressionen, besonders wenn sie an jenes frühere Leben zurückerinnert wurde oder sich daran erinnerte. Wie Menschen so haben auch Orte eine spezifische Schwingung. Wurde die an einen bestimmten Ort gebundene Schwingung im Emotionalkörper einer Seele negativ registriert - zum Beispiel durch einen mutwilligen Tod -, dann kann bei dieser Seele in einem Folgeleben in anderer Gestalt, sofern sie wieder zu jenem Ort mit dieser Schwingung kommt, eine unangenehme Resonanz entstehen, die sogar so weit gehen kann, dass diese Person in Ohnmacht fällt. Bei der Agoraphobie (und erstere wird meistens mit dieser verwechselt) verhält es sich ähnlich. Wurden wir vor einigen Hundert Jahren auf einem Platz öffentlich verbrannt und wollen uns in diesem Leben nichtsahnend auf eben jenen Platz begeben, so kann es sein, dass ein derart unbehagliches Gefühl in uns aufsteigt, dass wir entweder diesen Platz erst gar nicht betreten können oder aber dort in Panik ausbrechen, die uns veranlasst, diesen Ort so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Denn der Emotionalkörper möchte uns davor beschützen, erneut der gleichen Schwingung, in deren Feld uns schon einmal so grosser Schaden widerfuhr, ausgesetzt zu sein. Der Emotionalkörper registriert alle Schwingungen - und ganz besonders solche, die bei einem schmerzvollen Ende zugegen waren - handele es sich dabei nun um die Schwingungen des betreffenden Mörders, die seiner Mordwaffe, jene des Ortes oder des Baumes, der unmittelbar in der Nähe stand, oder selbst die seiner Kleidung bzw. deren Farbe. So kann es sein, dass wir uns in einem auf eine Ermordung folgenden Leben schon allein dann unwohl zu fühlen beginnen, wenn die negativ programmierte Schwingung der Farbe, die die Jacke des damaligen Mörders ausstrahlte, von unserem Emotionalkörper aufgenommen wird. Selbst wenn wir nur zu einem Baum gelangen, der von gleicher Art wie jener ist, der in der Nähe unseres Todesschauplatzes stand, mag diese Ähnlichkeitsschwingung uns schon ein ungutes Gefühl verschaffen, besonders wenn wir sehr sensitiv sind. Die Rückführungstherapie kann solchen Schwingungen nachgehen und sie in ihrem Ursprung aufdecken und aufheben. Und wie man sich eventuell nach all dem, was wir schon über den Geschlechterwechsel von einer Reinkarnation zur anderen in diesem Buch gelesen haben, vorstellen kann, hatte auch Thein ausgeprägt maskuline Züge. Sie beklagte sich darüber, ein Mädchen zu sein, zog bevorzugt Jungenkleidung an und verhielt sich in vielen Dingen wie ein Junge. Mit Zwanzig heiratete sie und gebar in der Folge zwei gesunde Kinder. Viele Menschen fühlen, dass sie im falschen Geschlecht zur Welt gekommen sind. Selbst ohne homosexuelle Tendenzen zu zeigen, sagen viele, dass sie lieber ein Mann oder eine Frau wären. Eventuell handelt es sich bei diesen Menschen darum, dass sie in ihrem vorausgegangenen Leben eben zum anderen Geschlecht gehört haben und sozusagen von einer Art Nostalgie heimgesucht werden. Eine Rückführung könnte sicherlich darüber Auskunft erteilen. Denn hier könnten sie ihr Höheres Selbst, jene in ihnen weilende und alles wissende Instanz fragen, weshalb sie das gegenwärtige Leben in einem Körper des anderen Geschlechtes zu durchleben haben. Wenn dieser Umstand ihnen dann aus höherer Sicht erklärt wird, erkennen sie auch die Gründe, warum sie sich für das jetzige Geschlecht im Zwischenleben selbst entschieden oder diesem zugestimmt haben, und können dann ohne weiteren Widerwillen ihr gegenwärtiges Geschlecht leichter akzeptieren. Das Verstehen der höheren Hintergründe erleichtert die Akzeptanz eines Geschehens oder eines Zustandes. Als Thein acht Jahre alt war, begegnete ihr auf dem Markt ihre damalige Schwiegermutter, die ihr freundlich anbot, sie doch besuchen zu kommen. Doch das Mädchen lehnte ab. Zehn Jahre später begegneten sie sich wieder. Als Thein ihr den Rücken zuwandte, begann die alte Frau zu weinen und sagte: "Jetzt, wo mein Sohn gestorben ist, habe ich niemanden mehr, der mich versorgt." Thein drehte sich um und entgegnete: "Wo ist mein Lastwagen?" Drei Jahre später kam diese Frau zu Thein nach Hause. Sie war sehr freundlich und wollte sie wiederum bitten, sie doch einmal zu Hause besuchen zu kommen. Doch Thein wies sie wiederum ab. Sie wollte einfach nichts mit ihr zu tun haben, wie sie auch nicht mehr an ihr früheres Leben erinnert werden wollte. Im Alter von neunzehn Jahren besuchte Thein ihre frühere Tochter in einem Nachbardorf. Beide mussten bei dieser Begegnung furchtbar weinen. Professor Stevenson hat diesen Fall 1975, 1977, 1978 und 1984 vor Ort untersucht und viel Material von den Interviewten zusammengetragen. Aber erst 1984 konnte eine seiner Mitarbeiterinnen von einigen Nachbarn der Schwiegermutter des ermordeten Herrn U Sein Maung erfahren, dass diese damals nach dem Freitod der Tochter vor anderen geschworen haben soll, dass ihr Schwiegersohn sterben müsse, wie auch ihre Tochter gestorben sei. Stevenson untersuchte auch die Muttermale sowie die Deformierungen der Finger. Bei der Geburt war gemäss den Aussagen von Theins Mutter an der rechten Halsseite ein längeres Mal zu sehen, das sich wie ein Streifen um diese Seite des Halses legte. Von diesem war indes 1984 nichts mehr zu entdecken. Ebenfalls behauptete die Mutter, bei der Geburt auf dem Rücken ihrer Tochter in Höhe der linken Niere ein deutliches Mal bemerkt zu haben. dassStevenson damals keine Dolmetscherin bei sich hatte, die für ihn dort nachgeschaut haben könnte, und es für eine Frau ungebührlich ist, sich vor einem Mann, und sei es nur halbwegs, zu entkleiden (selbst als Arzt war er ihr doch ein Fremder), musste er auf eine Inspektion ihres Rückens verzichten.
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