| Maria: Mein Vater war nach fast zweimonatigem Aufenthalt in jenem Tübinger Krankenhaus wieder soweit genesen, dass der Chefarzt ihn entlassen konnte. Auch jener wird aufgeatmet haben, achtete die Partei doch darauf, dass alle zur Verfügung stehenden Betten nach Möglichkeit den Kriegsverwundeten zugute kamen. Wir beide mussten aus Sicherheitsgründen - unter Zuhilfenahme der uns durch den "Bruderrat" zugewiesenen Adressen - wieder auf Wanderschaft gehen. Ende Mai nahm uns ein Pastor auf, der gleich zu Beginn des Krieges in Polen ein Bein verloren hatte, nach einiger Zeit jedoch sein Amt als Seelsorger seiner Heimatgemeinde wieder versehen konnte. Er war die Liebe selbst und überschüttete uns zwei mit Herzlichkeiten, die mir manchmal die Tränen kommen liessen. Als mein Vater Geburtstag hatte - das Datum war vorher einmal nebenbei erwähnt worden -, bat er uns an einem Wochentagabend zu unserer Überraschung in die mit Kerzen beleuchtete Kirche, und der Gemeindechor, vom Pastor dazu in heimlicher Vorbereitung angeregt, sang für das Geburtstagskind Mozarts "Ave verum" und "Brüder, reicht die Hand zum Bunde". Wir beide haben vor Rührung geschluchzt. Sie alle wollten uns beweisen, dass sie trotz aller grossen Worte Hitlers jenen ihres Heilands den Vorzug gaben, um denjenigen zu helfen, die in Not sind. Ja, Pastor Heger war ein mutiger Mann. Er kannte seine Gemeinde und hat sie durch seine unzweideutigen Reden auf den Weg der Nächstenliebe zurückgeführt. Im Ort gab es zwei bis drei Hitlerüberzeugte, die zum Judas geworden waren. Vor ihnen sah man sich vor. Und "verirrte" sich einer von ihnen in die Kirche, um zu spionieren, so milderte der Pastor seine Rede, auf dass nicht auch er zu Schaden käme, wurde doch schon so mancher Pastor seiner zu freien Predigten wegen von der Partei zur Rechenschaft gezogen, ja sogar verprügelt oder aber in ein Gefängnis oder KZ gesteckt. Vor diesen wenigen mussten wir zwei uns besonders hüten. Denn hätten jene Verdacht geschöpft, so würde die Polizei uns schnell "überprüft" haben. Ganz Deutschland wurde ja damals von einigen Hunderttausenden terrorisiert. Doch die Mehrheit der deutschen fürchtete sich inzwischen schon vor Hitler und wünschte nun, dass dieser "falsche Messias" dem deutschen Volk nie erschienen wäre. Wagte einer auch nur zu sagen, er sei vom Endsieg nicht überzeugt, oder bekrittelte er gar Hitlers strategische Massnahmen, so konnte ein Parteimitglied den Betreffenden denunzieren, woraufhin dieser "abgeholt" wurde. Molar: Ja, ich habe früher auch von ähnlichen Fällen gehört. Je gewisser sich die deutsche Niederlage abzeichnete, desto grauenhafter wuchs der Terror der Gestapo und der Partei gegen ihre eigenen Reichsbürger. Maria: Pastor Heger offenbarte uns eines Tages, dass sein Kollege im Nachbardorf einen Rabbi und dessen Frau versteckt hielte. dassich beim Pastor offiziell als Hausgehilfin angestellt war, konnte ich mit dem Fahrrad öfter in jenes Dorf fahren und mich mit diesem in aller Heimlichkeit unterhalten. Ich teilte ihm mit, dass ich zum jüdischen Glauben übertreten wolle und er mich in die Religion der Juden, soweit es nicht schon mein Vater getan hatte, einführen möge. Rabbi Krakauer, der als ein Herr Schuster aus Nürnberg ausgegeben wurde, unterwies mich im Talmud. Er selbst hatte keinen Text zur Hand. Aber sein Gedächtnis war erstaunenswert. Er nannte mir immer wieder den Namen Hillel, der erst kurz vor Christi Geburt verstorben war und der gesagt hatte: "Was dir selbst unlieb ist, das füge auch keinem anderen zu!" Der römische Kaiser Alexander Severus soll diesen Satz an allen öffentlichen Gebäuden angebracht haben. Der Rabbi meinte, dass in diesem Satz das ganze Gesetz der Nächstenliebe beinhaltet sei, wie es später vom "Propheten" Jesus, so nannte er ihn, wieder verkündet und vorgelebt worden war. Für ihn war Jesus nicht der Messias der Juden, denn er hatte sie nicht in die Freiheit geführt, wie es die Propheten verkündet hatten. Wir Juden warten noch immer auf unseren Messias, der uns von all dem vielhundertjährigen Leid erlösen soll. Wir wollen uns aber jetzt wieder in die Schreckenszeit zurückversetzen und uns den leuchtenden "Sternstunden" darin zuwenden. Am letzten Maisonntag predigte Pastor Heger in der vollbesetzten (!) Kirche über das Thema: "Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden!" Aus dieser Predigt wollen wir einige Sätze unserem Buch einverleiben: ... Vor Gott, meine liebe Gemeinde, sind alle Menschen gleich, welcher Hautfarbe oder welcher Religion sie auch sein mögen. Jeder, der diesem Gesetz widerspricht, versündigt sich vor Gott. Werdet, meine lieben Schwestern und Brüder, nicht mitschuldig dort, wo gegen Sein Gesetz verstossen wird. Lasst euch nicht verführen von denen, die euch eines anderen belehren mögen und sagen: "Gott liebt uns mehr als die anderen!" ... Uns allen ist in dieser Zeit der Heimsuchungen die Gelegenheit gegeben, an denen Gutes zu tun, die um der Gerechtigkeit willen leiden, dass sie zu Unrecht verstossen wurden. ... Wenn einer zu euch kommt und bittet euch um ein Stück Brot, so sollt ihr ihn zu Tisch bitten und euer Essen mit ihm teilen. Und bittet er euch um Unterkunft, so bereitet ihm ein Bett, auf dass er wohl schlafe. Denn bei jedem, der an eure Tür klopft, denkt, dass ihr selber jener andere sein könntet. Verratet nicht jene, die um der Gerechtigkeit willen bei euch oder einem Nachbarn Zuflucht suchen. Helfet, wo ihr helfen könnt. . Denn der Herr wird einst denen geben, die den Seinen gegeben haben. Und die Seinen sind im besonderen immer die Verleumdeten, die Verspotteten, die Verfolgten und die ans Kreuz Genagelten. ... Und zu den Verfolgten spricht der Herr: "Euer ist das Himmelreich." Ihr, die ihr Sein Kreuz in dieser Zeit tragen müsst, werdet einst bei Ihm wohnen in aller Seiner Pracht. Denn Er sagt: "Selig sind, die dassLeid tragen, denn sie sollen getröstet werden." Ja, meine Lieben, wer um der Gerechtigkeit willen das Kreuz des Leidens auf sich nimmt, dem wird Er einst die Last von seinem gebeugten Rücken nehmen und ihn in der Herrlichkeit des Himmels wieder aufrichten. Daher "seid fröhlich und getrost! Es wird euch im Himmel wohl belohnet werden." Die Schrecken der Zeit vergehen, aber Seine Liebe bleibet in Ewigkeit. Amen. Maria und ihr Vater wissen, wem diese letzten Worte im besonderen gelten. Vater: Ja, unser lieber Pastor! Er ist ein echter Jünger Jesu, ein wahrhafter Christ. Er versucht auch nicht, mich zu seinem Glauben zu bekehren. Seine Taten allein zeugen vom wahrhaften Christentum. Er beweist einen Mut wie wahrscheinlich nur wenige seiner Kollegen. Ja, es hat sich herumgesprochen, dass er besonders "eindringlich" und nachhaltig zu predigen weiss. Selbst aus anderen Dörfern strömen ihm die Mütter und die Alten zu, die ihre Ehemänner und Söhne in diesem Eroberungskrieg schon verloren haben. Sie bedauern jetzt alle, die Hakenkreuzfahnen je jubelnd geschwungen und an ihren Fenstern ausgehängt zu haben. Jetzt besinnen sie sich plötzlich wieder auf Gott, dass die "Vorsehung" des Führers ihren "Günstling" doch im Stich zu lassen scheint. Wahrscheinlich war jene "Vorsehung" doch nicht diejenige Gottes, wie man wohl zuerst vermeint hatte, als dem traumwandlerisch Geführten einfach alles gelingen wollte. Frau Pastor Heger will mich ja noch immer zur Taufe und zum Bekenntnis Martin Luthers überreden. Sie nannte mich einmal in ihrem Missionseifer "dickköpfig", dass ich nicht einsehen konnte, dass Jesus der Sohn Gottes sei. Und sie verstieg sich zu der mittelalterlichen Annahme, dass wir Juden von Gott nur deshalb so hart bestraft würden, weil wir der christlichen Lehre gegenüber so unbeugsam wären. Die gute Frau meint, dass sich mit einem Übertritt zum Christentum an meiner Lage etwas bessern würde. Hitler sieht seinen Hauptgegner in der jüdischen Rasse und nicht in der Religion, hat er doch wohl selbst schon keine Religion mehr ausser dem Nationalsozialismus, der seiner Selbstverherrlichung huldigt. Am Mittagstisch selbigen Sonntags sitzen der Herr Pastor, seine nun Suppenteller füllende und verteilende Frau, Herr Altmann alias Hirschfelder, dessen Tochter und noch zwei Eingeweihte. Herr Altmann: Herr Pastor, Sie haben heute besonders gut gepredigt. Ich habe gesehen, wie so mancher Ihrer Zuhörer nasse Augen bekommen hat. Haben Sie denn keine Furcht bei Ihren mutigen Predigten? Pastor Heger: Nein, mir kann nichts passieren! Gott ist mit mir. Das fühle ich. Doch will ich sicherlich darum nicht leichtsinnig sein. Jeden Sonntag sehe ich neue Gesichter in der Kirche. Natürlich könnte dort ein Verräter darunter sein. Doch selbst wenn ich verraten werden sollte und verurteilt würde, gäbe ich doch gerne mein Leben dafür, auch nur e i n e andere Seele vor der Verdammnis zu retten. Ich fürchte mich nicht vor dem Tod. Auch Christus hat sich, obwohl er sich aller Gefahren bewusst war, offen zu seiner Lehre bekannt. Der "Gott" aus Braunau konnte nur deshalb so "ungeheuerlich" verehrt werden, weil die Technik den wahren Gott aus unserem Herzen verdrängt hat. Der Technik allein schrieb man den "sichtbaren" Fortschritt der Menschheit zu. Ihr kann man also mit Lineal und Rechenschieber zu Leibe rücken. Aber Gott nicht. Deshalb hat man Gott zu verneinen begonnen. Diese sogenannte innere Leere hat Hitler mit seinem Nationalsozialismus ausfüllen können. Der Krieg aber trägt jetzt dazu bei, dass die Menschen sich ihres Irrtums innewerden und zu dem Ewigen als dem einzigen Gott zurückkehren. Sie sehen ja, unsere Kirchen werden immer voller. Frau Pastor: Ja, und manch einer unserer Kirchengänger drückt seinen Dank für den Mut meines Mannes dadurch aus, dass er ihm, wie es auch heute geschah, eine Gans, ein Huhn, Kartoffeln, Eier oder sonst dergleichen vorbeibringt. Heute hat mich doch jemand gefragt, ob Sie, Herr Altmann, Jude seien. Es fiel mir schwer, lügen zu müssen. Aber ich war entschlossen, es abzuleugnen, als jener aus meinem Zögern wohl schon eine Bestätigung seiner Frage ersehen haben musste und hinzufügte: "Ich möchte auch so eine Chance haben wie Sie, meine Verirrungen wiedergutzumachen. Sagen Sie dem Herrn und seiner Tochter, dass sie, wenn sie noch einmal Hilfe brauchen sollten, auf mich zählen können." Erster Gast: Das ist aber eine Überraschung! Solche Adressen sind heute Gold wert. Herr Altmann: Hoffentlich posaunt er jetzt nicht unser Geheimnis herum. Sie hätten ihn vielleicht nochmals ins Gebet nehmen sollen. Frau Pastor: Ich habe Menschenkenntnis. Er ist ausserdem ein gläubiger Anhänger unserer Kirche. Er wird schweigen können, besonders wenn es um das Leben von Verfolgten um der Gerechtigkeit willen geht. Maria hat die Suppenteller hinausgetragen und kommt nun mit der gefüllten und knuspriggebratenen Gans zurück. Pastor: Donnerwetter! Die sieht aber lecker aus! Wer hat uns denn diese Prachtgans geschenkt? Frau Pastor: Der Bauer Selbach vom Erlenhof. Der Arme hat schon seinen dritten Sohn dem Krieg opfern müssen. Wir haben es gut, dass wir nur zwei Töchter haben. Sie können wenigstens nicht "fallen". Meine dreiundzwanzigjährige Inge ist verheiratet und lebt nun allein in Königsberg. Und meine Älteste, die Jutta, ist als Gefangenenaufseherin bei Krakau tätig. Beide waren ja immer Hitlereifrige. Jutta war sogar BDM (Bund deutscher Mädchen)-Führerin. Maria: Lieber Herr Pastor! Darf ich Ihnen eine Frage als Christin stellen? Pastor: Bitte, Fräulein Maria. Maria: Wenn Christus heute unter uns wäre und man würde ihn fragen, ob er sich lieber zu den Christen oder zu den leidverfolgten Juden bekennen würde, was hätte er geantwortet? Pastor: "Ich gehöre immer zu denen, die das Kreuz tragen müssen." Maria: Ja, er würde sich wieder annageln lassen. ... Lieber Herr Pastor! Ich will mich auch annageln lassen. Ich habe mich entschlossen, das Kreuz der Juden auf meine Schultern zu nehmen und dieses, wenn es sein muss, auf den Berg Golgatha hinaufzutragen. Frau Pastor: Was meinen Sie damit? Maria: Ich will zum Glauben des zum Leiden "Auserwählten Volkes" übertreten. Ich will Jüdin werden. Vater: Maria! Mein Kind! Was für eine Prachttochter habe ich doch! Mein Herz hüpft vor Freude wie noch nie. Jetzt kommen mir wieder die Tränen. Schnell, das Taschentuch! Pastor: Wissen Sie auch, was das nach den heute herrschenden Gesetzen für Sie bedeutet? Maria: Ja, ich verliere alle mich noch schützenden Rechte als Mischling. Ich würde, wenn man mich überführt, wie jeder Volljude behandelt und vergast werden. Die Vergasungskammern sind unser Golgatha. Pastor: Es ist natürlich Ihr freier Entschluss, Fräulein Maria. Aber ich meine es gut mit Ihnen. Warten Sie wenigstens noch, bis Hitler besiegt ist. Lange kann es nicht mehr dauern. Maria: Nein. Ich habe schon zu lange gewartet. Schon seit vielen Monaten habe ich gehofft, einen Rabbi ausfindig zu machen, der meinen Glaubensübertritt vollziehen kann. Jetzt habe ich ihn gefunden. Sie wissen ja wahrscheinlich, wen ich meine. Frau Pastor: dasshört sich aber alles auf! Ich gebe mir Mühe, ihren Vater zum richtigen Glauben zu bekehren, und dieser versteckte Rabbi nimmt sich im Pfarrhaus unseres Kollegen die Frechheit heraus, eine der Unsrigen abzuwerben. Das ist doch wirklich die Höhe! Ist das der Dank für all das Wohlwollen, das wir ihnen bezeigen? Und jetzt verrät Maria ihren Christus. Wenn der Herr seinen Zorn über sie sprechen sollte, dann geschieht es ihr bestimmt zu Recht. Ich hoffe ja nicht, dass der Herr über Maria noch seinen Zorn aussprechen wird. Vielmehr glaube ich, dass er ebenso gehandelt hätte. Ich bewundere Maria. Ich wenigstens hätte an ihrer Stelle die seelische Kraft zu diesem Glaubensübertritt nicht aufgebracht. Aber was mich nach all den gewaltigen Ereignissen der letzten Kapitel, über die ich noch weiterhin nachzudenken habe, augenblicklich am meisten interessiert, ist die Antwort auf die Frage: Steht die Entstehung des Christentums mit der Vertreibung der Juden aus Israel in irgendeinem Zusammenhang? Je mehr du erfahren hast, desto mehr Zusammenhänge wirst du erfassen können. Solltest du aber einst einmal alles über die irdischen Dinge in all ihren Dimensionen des Raumes und der Zeit, der Seele und des Geistes wissen, dann wirst du erstaunt feststellen, dass es nichts auf Erden gab und gibt und geben wird, das zusammenhangslos und unvermittelt wäre. Alles steht in Beziehung zueinander. Selbst das historisch Entfernte hat immer noch seine Wirkungen in der Gegenwart. Ich denke dabei nicht nur an die Auswirkungen des Karmas. Mit Christi Geburt wurde ein grosser Plan von "höherer" Hand für die Irdischen initiiert. Dieser Plan ist für die Dauer eines "Sonnenmonats" von über einundzwanzighundert Erdenjahren vorgesehen. Sein Sinn und sein Ziel besteht darin, die Liebe im Herzen des Menschen in seinen verschiedenen Inkarnationen zu vermehren, ihm also Gelegenheit zu geben, die Liebe in sich wachsen zu lassen, so dass er eines Tages in ihrem ewigen Licht erwachen darf. Die Lehre, die diesem Plan als eine Art Fundament zugrunde gelegt wurde, hatte Christus verkündet: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Christus, ich sollte besser und richtiger sagen "Jesus", sollte zugleich ein lebendiges Beispiel für diese Lehre sein. Ja, er musste für alle Menschen, die in diesem Plan eingeschlossen waren, als Beispiel und Vorbild dienen, denn so, wie er war, müssen alle einst einmal selbst werden. Denn um den Weg zu Gott gehen zu können, müssen wir zuerst eine Christus-Seele voll des reinsten Liebeslichtes werden, wie es der Nazarener verkörperte. So sagte er selbst mit Recht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich." Wir alle müssen jeder erst zu einem Christus geworden sein, bevor wir in die Harmonie des reinen Geistes, von der wir im letzten Kapitel vernommen haben, zurückkehren können. Aber gelingt es denn den Menschen auf Erden, ein Christus zu werden? Sie müssen lernen, sich ihm und seinem Wesen in ihren Inkarnationen so weit wie möglich anzunähern. Die Christusvollkommenheit wird erst im Jenseits erreicht. Der bis in alle Einzelheiten durchdachte "Heilsplan" für das "Zeitalter der Fische", wie wir diese Zeitspanne nennen, war sehr dramatisch mit seinen vielen Kriegen, Pesten und Verfolgungen. Doch schufen diese für die Menschen Situationen, in denen sie lernen konnten. Als Juden wurden, wie ich schon hingewiesen habe, zumeist solche Seelen inkarniert, die unter diesen besonders harten Daseinsbedingungen auch besonders viel lernen wollten. Wer nun gegen das Gesetz der Nächstenliebe grob verstösst, der muss die Gelegenheit erfahren, dass man ebenfalls gegen ihn grob verstösst, damit er daraus lernen möge. Du siehst also, wie sich Christentum und Judentum im "Zeitalter der Fische" gegenseitig bedingen. Ich hoffe, dass ich dir für diese inneren und äusseren Verflechtungen noch Beispiele geben kann. Die andere Verflechtung ist die, dass das jüdische Volk wie alle Minderheiten eine den Christen gestellte und durch Liebe zu lösende Aufgabe war. Vielen gelang diese Lösung erst nach wiederholten Lösungsversuchen, nämlich nachdem sie selbst ein oder auch mehrere Male als Juden oder anderes Mitglied einer verfolgten Minderheit inkarniert waren. So gesehen, kann man sagen, dass die Juden reinkarnierte Christen, und auch umgekehrt, dass die Christen reinkarnierte Juden sind. Es hat sich nun einmal als Tatsache herausgestellt, dass wir Seelen dann am schnellsten zu ethischen Fortschritten gelangen, wenn wir uns in die Situation des Gegenübers, unseres Nächsten also im weitesten Sinne, hineinversetzen oder hineinversetzt werden. Der ganze Sinn des Erdendaseins besteht für den Menschen darin, seine Seele zu reiner Liebe zu läutern. Das irdische Leben, wie verschieden es sich auch einem jeden darstellen mag, ist ein einziger mitzudurchlebender und mitzudurchfühlender Anschauungsunterricht für die auf der Reise nach Läuterung und Liebe befindliche Seele. Wird dieser Heilsplan, von dem du gerade sprachst, einmal von einem neuen abgelöst werden? Ja, Er ist schon vor-"gesehen". Werden in diesem wieder die Juden verfolgt werden? Nein. Es werden völlig neue Situationen entstehen, die in vielem ganz anders sind als die der bisherigen Menschheitsgeschichte. Trotz allem wird es auch dort noch Minderheiten geben, die Leid zu erdulden haben werden. Das heisst mit anderen Worten, dass das Leid der Juden bald für immer beendigt sein wird? Ja, so ist es. Zumindest, was sie als Rasseeinheit und Religionsgemeinschaft angeht. Ihr Jerusalem wird wieder leuchtend erstehen können.
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