| Im März 1944 sprach einer der Pastoren des "Bruderrates" mit dem ihm befreundeten Chefarzt eines evangelischen Krankenhauses, ob er einen herzkranken Mann, ohne nach Papieren zu fragen, in seinem Hospital bis zur Genesung aufnehmen könne. So liegt nun Vater Hirschfelder in einem Einzelzimmer, und es heisst offiziell, ein Ausgebombter aus München habe seines Herzens wegen dringend stationiert werden müssen. Maria hat unweit des Krankenhauses bei einer Krankenschwester eine Bleibe vermittelt bekommen, so dass sie ihren Vater jeden Tag besuchen kann. Ja, wenn es herauskäme, dass mein Vater Jude ist, würde der Chefarzt ins KZ gesteckt werden, vom Schicksal meines Vaters ganz zu schweigen. Maria hat sich mit der Krankenschwester Rita angefreundet und nach einigen Tagen auf deren Vermittlung eine Anstellung im Küchendienst desselben Krankenhauses erhalten. Der Chefarzt, der in ihr und ihres Vaters Schicksal eingeweiht war, wollte sie erst zu einer gehobeneren Arbeit als Krankenpflegerin überreden, aber Maria begründete ihre Bevorzugung des Küchendienstes damit, dass sie dort weniger mit Menschen in Kontakt käme und somit auch unliebsamen Fragen seitens Neugieriger nach ihrem Woher und Weshalb eher entgehen könnte. Das Geld für Herrn Hirschfelders Aufenthalt - er hat sich als Herr Altmann ausgegeben - wurde von seiner Frau aus München der Sicherheit wegen über drei Deckadressen gesandt, so dass er dem Krankenhaus wenigstens nicht zur Last fiel. Die jetzt achtzehnjährige Maria hatte ihre neue, um fünf Jahre ältere Freundin in ihre Geheimnisse eingeweiht, und Rita tat mit ganzer Liebe alles nur Erdenkliche, um den Schmerz und die Angst der Halbjüdin zu mildern oder sie diese gar vergessen zu machen. Gleich am ersten Tag, als der Pastor sie ihr zuführte, bestand sie darauf, dass Maria in ihrem Bett schlafen solle, während sie selbst über Nacht auf dem Teppich zu ruhen gedachte. Maria konnte dieses grosszügige Angebot selbstloser Nächstenliebe nicht annehmen und wollte sich ihrerseits ihr Lager auf dem Teppich bereiten. So einigten sie sich, während der ersten Nächte das Bett und den Teppich jeweils abwechselnd als Schlafstelle zu benutzen, und als es Rita schliesslich gelang, eine Matratze zu besorgen, bat sie sich aus, auf dieser zu ruhen. Eines Tages vertraute sie Maria i h r Geheimnis an. Rita: Ich möchte dir etwas erzählen, das du aber ganz geheimhalten musst. Ich habe noch mit niemandem darüber gesprochen. Maria: Ja, ich werde es geheimhalten. Was ist es? Rita: Kurz vor Weihnachten letzten Jahres sass ich spätabends bei Kerzenschein hier an meinem Tisch. Ich wollte noch an meine Eltern einen Brief mit Grüssen zum Fest schreiben. Aber ich war todmüde. Ich hielt die Feder, zum Schreiben bereit, über das Papier, aber meine Gedanken waren abwesend. Ich befand mich wie in einer Halbtrance. Plötzlich fuhr ich erschrocken auf, denn ich bemerkte, dass sich meine Hand bewegte und automatisch zum Tintenfass fuhr, den Kiel eintunkte und zum Papier zurückkehrte. Dann begann sie Schreibbewegungen zu vollführen. Ich schaute auf das Blatt Papier und wurde auf einmal jäh aus meiner Verträumtheit gerissen. dassstanden schon einige Zeilen in deutlicher Schrift auf dem Papierbogen, und ich begann sie sogleich zu lesen. Hier, sieh, dies ist der Bogen. Und Maria nimmt ihn in die Hand und liest: Liebe Geliebte. Bitte, fürchte dich nicht, wenn du diese Zeilen liest. Wir haben deine Hand geführt, um uns dir vorzustellen. Wir sind diejenigen, die eure Geschicke auf Erden lenken. Wir sind die heilige Geisteskraft, von der schon Christus sprach. Wir sind ganz Geist und haben mit den Geistern nichts mehr gemein. Wir haben unsere Liebe vollkommen im Gegenüber verschmelzen können. Wir haben zurückgefunden in das eigentliche, urewige Sein. Wir sind eins geworden mit dem Geist der Liebe. Aus diesem teilen wir uns dir nun mit. Fürchte dich nicht, denn wir schaffen nur aus Liebe. Sei bereit, unsere Mitteilungen zu empfangen. Verfüge dich mit deinen geheiligsten Gedanken im Gebet zu Gott und bitte Ihn, dass wir, die wir in Seinem Licht der Liebe wohnen, uns dir mitteilen dürfen, so wollen wir immer wiederkehren und dir durch die Schrift uns verkünden. Nochmals, fürchte dich nicht. Wir wirken aus der Fülle der Liebe. Wir lieben dich. Maria: Wie? Das soll sich alles von allein niedergeschrieben haben? Bist du dir dessen sicher? Rita: Ja, vollkommen. Natürlich habe ich auch an allem gezweifelt. Ich habe gedacht, dass mein Unterbewusstsein mich zu dieser, sagen wir, somnambulen Schreibtätigkeit geführt und sich so mitgeteilt hat. Aber am nächsten Tag schon betete ich zu Gott, um jener Kraft des Heiligen Geistes wieder teilhaftig werden zu dürfen. Und "sie" meldeten sich wieder. Von dassan setzte ich mich fast jeden Tag an diesen Tisch und stellte "ihnen" Fragen über alles, was mich mit Geist und Tat beschäftigte. Hier, diese vier Hefte haben sie mir schon vollgeschrieben. Es ist für mich immer noch ein Wunder, obwohl sie sagten, dass es ausser der Liebe keine Wunder gebe, denn alles, was wir auf Erden noch als Wunder ansähen, würde uns eines Tages erklärt werden können. Aber das Wunder der Liebe kann nie erklärt werden, denn dieses Wunder ist Gott selber. Maria: Glaubst du, dass sie auch mir durch dich eine Antwort auf meine Fragen zukommen lassen könnten? Rita: Ich glaube schon. Wollen wir es versuchen? Maria: O ja! Ich bin doch allzu neugierig, was dabei herauskommt. Und Rita setzt sich an ihren Tisch, nimmt ein neues Heft hervor und faltet die Hände zum stillen Gebet: Lieber Geliebter, unendlich Grosser und Gütiger! Ich liebe Dich mit meinem ganzen Herzen. Möge ich den Altar in meinem Herzen, auf dem die Kerzenflamme Deiner Liebe leuchtet, immer rein halten. Erlaube mir, dass sich diejenigen des reinen Geistes, die schon in der Geborgenheit des Lichtes Deiner Liebe mit ihrem mitwirkenden Wissen weilen dürfen, mir mitteilen. Meine Freundin Maria möchte an sie einige Fragen stellen. Möge ich ganz beschützt sein vor allen anderen Einflüssen, damit mich nur diejenigen erreichen, die aus Deiner Fülle des Lichtes und der Liebe sprechen. Amen. Rita ergreift den Federhalter, tunkt ihn in den Tintentopf, berührt mit der Federspitze die aufgeschlagene erste Seite des Heftes und wartet einige Augenblicke in Geduld. Dann beginnt sich ihre Hand auf und ab zu bewegen. Und es schreiben sich folgende Worte nieder: Liebe mit Herzen voll Liebe. Wir sind glücklich, dich hier bei deiner Freundin begrüssen zu dürfen. Ja, wir haben deine Schritte hierhergelenkt, damit du von uns wissen mögest. Aller Menschen Schritte werden von uns gelenkt. Das zu Tuende muss aber von euch getätigt werden, denn jede bewusste Tat ist das Ergebnis des freien Willens, den wir nicht beeinträchtigen wollen. Seid ihr doch deswegen auf Erden, um euch in diesem zu üben. Jeder Mensch wird nahezu täglich an die äusseren und inneren Dinge herangeführt, um sich entscheiden zu müssen. Wird er eines Tages sich nur noch richtig entscheiden, so ist sein Herz voll der Liebe geworden, und er braucht nicht mehr in den tieferen Dimensionen, in denen ihr lebt, zu wohnen. Er darf zu den Bereichen aufsteigen, in denen er vorbereitet wird, zu uns in die ewige Wirklichkeit zurückzukehren. Ihr alle lebt in einer Traumwelt des Lernens. Seid ihr einmal aus eurem Traum des Traumes und aus eurem Träumen aufgewacht, so wird euch die ewige Flamme der Liebe wieder unvermindert strahlen. Aber wir sehen, Liebe mit Herzen voll Liebe, dass du eine Frage stellen möchtest. Bitte! Maria: Bei welchem Namen darf ich euch nennen? Rita: Wir haben viele Namen, gemäss den Vorstellungen, die ihr uns beimesst. Wir wohnen in der reinen Liebe. Unser Reich, wenn wir es so nennen dürfen, können wir euch nicht beschreiben. Es entzieht sich eurer Vorstellungskraft wie alles, was wir sind und tun. Deshalb haben Namen, die ihr uns gebt - wenn überhaupt - nur Näherungswert. Wir sind schon als der "Heilige Geist" bezeichnet worden. Aber es gab Menschen, die uns daraufhin anzubeten geneigt waren. Wir wollen nicht angebetet werden, denn die Liebe, die Gott ist, ist allein anbetungswürdig. dassunser Wesen ganz Geist ist, könntet ihr uns den "Allgeist" nennen. Aber auch eine solche Bezeichnung hebt das Distanzierende zwischen uns und euch hervor, während wir doch mit eurem Geist, eurem wahren Selbst, ebenso verbunden sind wie das Meer mit dem Wassertropfen, in welches ihr einst - mit den gewonnenen Erfahrungen - wieder fallen oder münden werdet. Darum nennt und denkt euch uns als eure "Freunde" oder "Geschwister", denen ihr euch mit allen Sorgen anvertrauen könnt. Denn wir sind Teil von euch, wie ihr Teil von uns seid. Maria: Warum müssen die Menschen leiden? Rita: Dies ist eine gewaltige Frage. Und sie in allen Einzelheiten verständlich zu beantworten, würde uns kaum gelingen, dassihr uns nicht folgen könntet. Wir wollen niemals behaupten, dass wir alles wissen, denn auch unser Wissen wächst noch ins Unendliche mit der Vermehrung unserer Liebe. Doch wissen wir mehr, als der Menschen und der Geister Verstand erkennen kann, leben ihr und sie doch noch in den Traumdimensionen der Vorstellungskraft. Um dir deine Frage zu beantworten, wollen wir uns eines Gleichnisses bedienen, dem du eine Annäherung des Wahr-Schein-baren entnehmen kannst. Und wir wiederholen nochmals, dass es sich nur um eine Parabel, um etwas Anschauungshaftes handelt. Zu Beginn wohnten alle Seelen als reiner Geist bei ihrem Schöpfer, dem grossen Licht der Liebe. Wir lebten als eine Einheit, als e i n Geist. Wir lebten in Harmonie, ja, in einer vollkommenen Harmonie der Liebe und des gegenseitigen Verstehens, denn wir wohnten in jedem, und jeder wohnte in uns, und alle wohnten in Ihm. Das Glück, der Friede, die Seligkeit waren unermesslich. Aber alles war uns zur Selbstverständlichkeit geworden, denn wir kannten kein anderes Sein als jene Göttliche Harmonie. Wie sie aber entstanden war, wie sie erhalten wurde, all das wussten wir nicht. Und eines Tages sprach die Stimme unseres Grossen Lichtes in uns: Meine Lieben. Ich freue mich, dass ihr in mir glücklich seid. Aber mein Glück ist noch millionenmal grösser als das eure, denn ich habe das Bewusstsein über das Glück, ich weiss, wie ich es für euch bereitete, ich kenne den Schöpfungsakt, ich lebe und weiss und wirke. Ihr aber lebt, doch ihr wisst nichts und bewirkt nichts. Habt ihr aber erst einmal das Wissen der Schöpfung errungen und könnt euch im Bewirken eures Wissens betätigen, so werdet ihr noch viele tausend Male glücklicher sein, als ihr es jetzt schon seid. Um aber zum Besten zu wirken, müsst ihr das richtige Wissen haben. Um zu wissen, müsst ihr erfahren. Ihr habt bisher nur das Schöne, das Gute, das Liebe erfahren. Aber das Wissen bedingt auch das Gegenteil von dem, was ihr bisher erfahren habt. Ihr müsst das Leid, den Schmerz, die Rachsucht, den Geiz, den Hass, die Lieblosigkeit, die Ichsucht, die Verlassenheit, die Angst und vieles mehr erfahren, damit ihr einmal wissend wirken könnt und im Bewusstsein des Mitschöpfenkönnens innerhalb meiner Schöpfung zu einem geistgesteigerten Glücksgefühl gelangt. - Weise uns, so baten wir Ihn, den Weg, der zu diesem Glücksgefühl führt, denn wir wollen unverzüglich aufbrechen. - Und das Grosse Licht der Liebe in uns antwortete: Der Weg zu diesem so unendlich gesteigerten Glücksbewusstsein als Mitschöpfer ist lang und beschwerlich. Es wird viele Tränen auf dem Wege durch die Erfahrungen zum Wissen geben. - Wir wollen mit Freuden, so entgegneten wir, alle Entbehrungen auf uns nehmen, so wir später dafür einmal vieltausendfältig belohnt werden durch die beglückende Gabe des Mitbewirkendürfens in Deiner Schöpfung der Liebe. - Und so wurde jeder Teil dieses gottgeschaffenen Geistes auf den Weg des Erfahrens und Erlernens geschickt. Alles geschah wie eine gewaltige Explosion. Und somit begann der Kreislauf von dem Urzustand des Glückes vorwärts zu einer erneuten Harmonie mit dem so unendlichmal gesteigerten Glücksgefühl im Wissen und Mitbewirken. Wir, die wir dieses niederschreiben, sind schon dort angekommen, und wir hoffen, dass auch ihr bald hierher finden möget. Wir brauchen nicht mehr durch das Leid und die Verlorenheiten der Seele zu wandern. Wir sind aufgewacht aus dem Träumen. Denn in Wirklichkeit haben wir alle unseres Grossen Harmonie nie verlassen. Mit der Explosion haben wir uns alle in Träume hineinbegeben, wo wir jene Erfahrungen des Gegenteiles unseres Wachzustandes durchleiden müssen. Wacht ihr aber auf, dann seid ihr ebenfalls zu dem mitschöpferischen Wissen gelangt, aus welchem wir euch solches nun künden. Maria: Warum müssen wir Juden um so viel mehr leiden als andere Menschen? Rita: Ein jeder muss einmal Jude werden oder einer von denen, die von der Mehrheit der Erdenbewohner verachtet und verfolgt werden. Auch das gehört in den Bereich des Erfahrens durch Leid. Maria: Dann heisst das auch, dass wir öfter auf Erden kommen? Rita: So ist es. Im Leiden lernt ihr. Zugleich dient ihr den anderen, in ihnen Mitleid zu erwecken. Ihr erweist den anderen dadurch eine grosse Gnade, denn ihr gebt ihnen Gelegenheit, ihre Gefühle der Liebe zu erweitern. Jude zu sein, ist eine Ehre. Man darf den anderen zur Aufgabe gereichen und kann selbst durch das vermehrte Leid besonders viel lernen und somit viele Schritte im Wissen nach vorne tun. Maria: Und warum können wir nicht alle unsere notwendigen Erfahrungen in einem Leben tätigen? Rita: Wären alle Erfahrungen, die zum Wissen führen, auf ein einziges Leben gehäuft, so wäre das wie ein lebenslanges Gequältwerden ohne Schlaf. Die Zwischenstadien zwischen den Träumen im Traum sind notwendig als Phasen der Ruhe, Rückbesinnung und Vorbereitung. Die Welt des Traumes ist jene der Geister. Maria: Darf auch ich einmal die automatische Schrift erlernen? Rita: Es gibt viele federführende Geister. Und je nach der eigenen seelischen Entwicklung kann man mit den weniger oder mit den höher entwickelten unter ihnen in Verbindung treten. Doch willst du mit uns in schriftlichen Kontakt treten, so musst du den Grossen, der uns alle mit Seiner Liebe umstrahlt, fragen. Aber, wie wir wissen, hast du vorerst noch andere Aufgaben zu erfüllen. Wir werden dir später einmal, lange nach dem Krieg, jemanden dir Nahestehenden schicken, der dir unsere Schrift vermitteln wird. Maria: Das heisst, ich werde die Nazischrecken überleben? Rita: Ja, du und dein Vater werden das Ende der grossen Menschheitsprüfung überleben. Maria: Werde ich einmal heiraten und Kinder haben? Rita: Geliebte, wir lieben dich unsagbar. Aber bedenke, ob es angebracht ist, jetzt schon vorzeitig zu wissen, was in den Paketen an Überraschungen verborgen ist, die du doch erst zum Weihnachtsfest öffnen solltest. Gehört es nicht zu den schönsten Wunderbarkeiten eures Lebens, auch freudig überrascht werden zu dürfen? Warum willst du dir diese Überraschungen vereiteln? Die Zukunft lasse man mit all ihren Schleiern an sich herantreten. Sie werden einer nach dem anderen fallen zur festgesetzten Zeit. Aber der letzte Schleier birgt die grösste Überraschung. Auch uns steht dies noch bevor. Wir lieben euch beide in einem viel grösseren Masse, als ihr es euch vorstellen könnt. Aber unsere Liebe gilt allen Träumenden gleichermassen. Doch freuen wir uns über jene am meisten, die gewillt sind, sich von der Liebe leiten zu lassen. Wir sind ewig mit euch. Möge die Flamme in eurem Herzen immer leuchtender werden. Wir lieben euch.
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