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Das grosse Karma-Handbuch

Die Revision unserer Erdentaten und die karmische Vorbereitung auf unsere nächste Reinkarnation

... Eine solche Gruppe, wie Michael Newton herausfand und was sich auch mit meinen Erfahrungen deckt, besteht meist aus drei bis fünfundzwanzig Mitgliedern, so dass man von einer Durchschnittszahl von fünfzehn Mitgliedern sprechen kann. Diese Gruppen setzen sich aus Seelen zusammen, die wir schon lange kennen, dass wir ihnen schon häufig innerhalb dieser Gruppe im Jenseits oder in den verschiedenen Inkarnationen auf  Erden begegnet sind. Einige stehen uns sehr nahe, waren wir doch unter Umständen schon Liebende oder enge Familienmitglieder. Wir stellen uns gegenseitig zur Verfügung, um ganz bestimmte Lektionen in der Erdenschule zu lernen, die sich alle mit dem Hauptfach Liebe und deren Nebenfächern beschäftigen. Jeder Gruppe steht mindestens ein Lehrer oder eine Lehrerin zur Verfügung, doch meistens handelt es sich um männliche Gruppenleiter. Hier wird vor der Gruppe das vergangene Leben eines jeden einzelnen ausführlichst besprochen, indem alle Situationen, in denen wir auf Erden Liebe ausgeübt oder Liebesmangel an den Tag gelegt haben, auf eine Art Leinwand projiziert werden, damit alle aus den nun sichtbar vorgeführten Ereignissen lernen können. Nichts bleibt im verborgenen. Und wir werden zu unseren eigenen kritischsten Beobachtern.

Um ein kleines Beispiel zu geben, wie es bei solch einer von einem Lehrer geführten Gruppenarbeit zugeht, möchte ich folgendes ausführen: Einer aus der Gruppe, dessen Leben beziehungsweise ein Teil daraus gerade vor den anderen Gruppenmitgliedern behandelt wird, entdeckt bei einer vom Gruppenleiter initiierten Gedankenprojektion auf eine “Leinwand“, wie er sich in seinem vergangenen Leben in einem Supermarkt befindet, wo die Kassiererin ihm gerade das Geld herausgibt. Er zählt es nach und entdeckt, dass diese ihm einen grösseren Geldschein zu viel herausgegeben hat. Und nun in der Gruppe hat der Kandidat, dessen Leben besprochen wird, schon ein doppeltes Bewusstsein. Er erinnert sich genau, wie er damals gedacht hat, und gleichzeitig ist er aus dem momentanen Bewusstsein heraus beschämt, wie falsch er damals gehandelt hat. Denn statt das Geld zurückzugeben, hatte er es eingesteckt. Hier hat er sich karmisch “negativ aufgeladen” und wird sicherlich ebenfalls einmal bestohlen werden müssen, um dieses fehlerhafte Vorgehen wiedergutzumachen. Aber die Leinwandprojektion geht weiter. Denn es wird nun gezeigt, wie die Kassiererin am Abend die Abrechnung mit dem eingenommenen Geld vorlegt. Ihr Chef fragt sie nach der fehlenden Summe. Sie wird vor Verlegenheit ganz rot im Gesicht, und er interpretiert es so, dass sie dieses Geld gestohlen hat. Erzürnt entlässt er sie. Das nächste Bild auf der Leinwand zeigt eventuell diese junge Frau zu Hause, wo eines ihrer vier Kinder an Polio erkrankt und der Mann als Arbeitsloser dem Trunk verfallen ist. dass sie nun keine Arbeit mehr hat und als einziger Verdiener der Familie diese nicht mehr zu ernähren weiss, schluckt sie in ihrer Verzweiflung eine Überdosis Schlaftabletten und stirbt. Und nun wird die Reue beim Betrachter des von ihm verursachten Unheils noch viel grösser. Er mag hemmungslos weinen und tausendmal seine Dummheit verwünschen. Andere aus der Gruppe werden eventuell ebenfalls im stillen an ähnliche irdische Situationen gemahnt, wo sie gleichfalls ihren Vorteil gesichert hatten zum Schaden oder auf Kosten anderer. Und nachdem die Zusammenhänge besprochen worden sind, wird im Rollenverfahren die Situation durchgespielt, doch diesmal mit dem richtigen Verhalten. Diese Gruppen dienen also im besonderen der Bewusstseinsbildung bezüglich des Fehlverhaltens, dem zufolge Karma aufgeladen worden war. Und sie dienen zur Verdeutlichung eines richtigen Verhaltens, das eingeübt wird, denn zweifellos wird dieser Kandidat in einem nächsten Leben wieder mit der gleichen Situation konfrontiert werden. Und sollte er dann wieder das Geld für sich einstecken, dann wird er wieder in seiner Gruppe im Zwischenleben mit diesem Verhalten konfrontiert werden, bis er alle irdischen Tests ohne Wanken eindeutig richtig besteht. Wie gesagt, die uns unsichtbar begleitenden Geistführer und die Lehrer haben unsäglich viel Geduld mit uns. Es gibt eben langsame und schnelle Lerner. Das ist eben überall so.

Und viele, denen nun ihre damaligen Worte und Taten wieder vorgeführt werden, schämen sich jetzt für ihr egoistisches und liebloses Verhalten (wie im Fall 2) oder freuen sich auch, wenn jene Entscheidungen den Liebesrichtlinien gemäss getroffen worden waren. Es werden aber nicht nur die Fehler eingehend besprochen, sondern es wird auch erwogen, wie man in jenen Situationen auf Erden richtig gehandelt haben könnte. Es werden jene Situationen als Rollenspiel nochmals so durchgespielt, wie es eigentlich unter dem Liebesaspekt richtig gewesen wäre, wobei sich die Mitglieder alle mit Enthusiasmus beteiligen. Und ein jeder wird mit dem Karmagesetz konfrontiert. Man weiss, worin man gefehlt hat, und ist bereit, in einer erneuten Inkarnation in der “Leidens- und Reinigungsschule“ aus Erfahrungsgründen ein Gleiches zu erleben, was man anderen zugefügt hat. (Fall 2)

Doch man hat sich dieses Zwischenleben nicht etwa als eine ständige Gruppenarbeit vorzustellen. Denn neben dieser gibt es viele, viele herrliche Möglichkeiten, dort die “Zeit“ angenehmst zu verbringen, sei es, dass man sich in Bibliotheken aufhält, an bestimmten Festen teilnimmt, seinen vielleicht auf Erden unerfüllt gebliebenen Interessen nachgeht, ein Instrument erlernt oder an Forschungsprojekten teilnimmt. Und man kann auch als Unsichtbarer auf die Erde zurückkehren, bisweilen in Begleitung seines Lehrers, um von diesem bestimmte Verhalten von Menschen gezeigt zu bekommen, woraus wieder Lernschritte für die nächste Reinkarnation abzuleiten sind. Auch mag man einen Eindruck davon erhalten, wie und wann von den Unsichtbaren im Jenseits Ereignisse in die Wege zu leiten sind, die für diese geplant sind. Doch darf man als Unsichtbarer nicht eigenwillig in das Leben oder in die Gedanken eines Menschen eingreifen, es sei denn, es gibt besondere Gründe dafür, so dass ein solcher Eingriff von höheren Wissenden erlaubt worden ist. Auch wird man sich im Jenseits schon mit irgendwelchen Aufgaben beschäftigen, denn alles bereitet grosse Freude und ist sehr interessant. Im Grunde müssten wir Irdischen beim Tod eines Nahestehenden diesen darum beneiden, dass er in unsere jenseitige Heimat zurückkehren darf - beziehungsweise sollten uns freuen, dass er sein Pensum auf Erden erledigt hat und nun wieder die Freuden des Jenseits geniessen kann. Doch diese Zwischenwelt dient nicht allein der Erholung und Durchsicht des vergangenen Erdenlebens, sondern auch der Vorbereitung auf das bevorstehende Erdenleben, das wir willig antreten, haben wir doch inzwischen erfahren, worum es eigentlich geht, und dass wir nur seelisch wachsen können, wenn wir das im Jenseits Erfahrene auch umzusetzen verstehen und unter den viel härteren Bedingungen der Erdenebene zu Taten werden lassen.

Doch vor einer jeweiligen Inkarnation findet die wichtigste Phase für die Ausrichtung allen Geschehens auf der Erde statt. Denn die Seele hat die freie Entscheidung und darf vor Eintritt in ein neues Erdenleben davon reichlich Gebrauch machen. “Das Karma selbst schreibt aber nicht das Skript für die nächste Lektion. Es legt vielmehr den Rahmen fest, an den diese sich zu halten hat. Wir entwerfen diesen Lebensplan gemeinsam mit unseren geistigen Führern, wobei die volle Verantwortung für unser Leben jedoch stets bei uns liegt, dass wir jeden Vorschlag zurückweisen können.“ Wir schauen symbolisch gesprochen in unser Kontobuch und wissen genau, was wir aus Lerngründen karmisch auszugleichen haben, doch auch, welche neuen Lektionen wir in der Erdenschule hinzulernen wollen. Sind wir sehr ehrgeizig und wollen viel von dem ausgleichen, was wir im vergangenen oder in noch früheren Leben an Auszugleichendem anstehen haben, dann entscheiden wir uns für ein schweres Leben mit möglicherweise zahlreichen Schicksalsschlägen und Situationen, in denen wir genau das erleben, was wir einst anderen aus Mangel an Liebe angetan oder zugedacht haben. Selbst der ehemalige Mörder, der nach seiner Reueperiode und Rückkehr in seine Seelengruppe das karmische Gesetz erkannt hat, ist nun bereit, sein Karma anzutreten. Ja, er wird sogar glücklich darüber sein, gibt es ihm doch die Chance, mit dem erfolgten Ausgleich seine frühere Untat aus seinem Kontobuch zu streichen, denn eine ausgeglichene Tat wird darin ausradiert.

Aus der jenseitigen Perspektive erscheint selbst ein bevorstehender schmerzlicher Karmaausgleich wie etwas weit Entferntes - vergleichbar mit dem Entschluss und der Notwendigkeit, nächste Woche zum Zahnarzt zu gehen. Aus dieser Perspektive fällt es noch relativ leicht, über seine bevorstehenden Schicksale zu beschliessen. Aber wir werden uns trotz allen nötigen Ausgleichs von Verfehlungen aus den vergangenen Leben auch unserer Bonuspunkte bedienen, um nicht nur einen Schicksalsschlag nach dem anderen zu erleben. dass wir den freien Willen haben, könnten wir uns sogar - obwohl aus karmischen Gründen noch viel auszugleichen wäre - ein Leben vornehmen, in dem wir ein relativ geruhsames und schönes Dasein geniessen. Unsere geistigen Berater werden uns vielleicht darauf hinweisen, dass wir dadurch unter Umständen ein Leben vergeuden würden. Doch so wir nichtsdestoweniger darauf bestehen, wird unserem Wunsch natürlich stattgegeben. Doch, und dies ist uns deutlich bewusst, alles, was auf der Minusseite unseres Kontos steht, muss irgendwann noch einmal ausgeglichen werden, denn “keiner kann dem entgehen, was ihm wegen ungerechter Taten zu erdulden zukommt“. “Die Menschenseele“, so sagt Rudolf Steiner, gestaltet “mit anderen mit ihr karmisch verbundenen Menschenseelen und mit Wesenheiten der höheren Hierarchien das kommende Erdenleben im Sinne des Karma.“ Manche überlassen auch denjenigen der höheren Wesen, welche später die karmischen Geschehnisse in die Wege leiten, die Einzelheiten dessen, was  ihnen begegnen soll, während andere diese bis ins kleinste Detail selber entwerfen. Und wie Pythagoras sagte, werden in der Regel die fortgeschrittenen Seelen ihre zukünftigen Leben selber planen, die nicht so fortgeschrittenen sich in manchem bestimmen lassen, vieles jedoch selbst entscheiden, während die in ihrer spirituellen Entwicklung noch nicht sehr Fortgeschrittenen sich ganz den Karmabereitern (die von den Indern lipika genannt werden) und deren Entscheidungen anvertrauen. Doch alle haben vor Eintritt in ein Menschenleben den sie treffenden Schicksalen zugestimmt. Dies erfordert das Gesetz des freien Willens. Denn nichts soll ihnen auf Erden widerfahren, das wider ihren Willen geschieht. Mit anderen Worten: Das, was wir auf Erden an Schicksal erleben, ist nicht nur durch frühere Leben bedingt und damit karmischer Ausgleich, sondern geschieht vielmehr auch aufgrund einer im Jenseits vor Antritt der jeweiligen neuen Inkarnation gefällten Entscheidung, die wiederum auf eigener nachträglicher Einsicht und Bereitwilligkeit, also eigenem Willen beruht. Diese Erkenntnisse sind für die Karmaforschung neu und lassen auch das Karmagesetz in neuem Licht erscheinen. Denn wir haben das Karmagesetz nicht nur erkannt und für gut befunden, sondern darin auch freiwillig - selbst in seiner striktesten Anwendung auf uns - eingewilligt. Somit ist jedes Schicksal auf Erden von uns direkt oder indirekt verfügt und vorher für gut befunden worden. Denn mit jedem Schicksalsschlag verbinden wir etwas ganz Bestimmtes, das uns der grösseren Liebewerdung näherbringt.

So führt auch Michael Newton einen Fall an, in welchem die Seele von sich aus darum bittet, im nächsten Leben eine Vergewaltigung als Frau zu erleben, “um zu verstehen ... und den Schaden zu ermessen, den sie als Mann damals dem (vergewaltigten) Mädchen zugefügt hatte.“ Und wir erinnern uns noch an jenen Germanenkrieger, der ein Kind in einem Hause mitverbrannt hatte und sich deswegen im Jenseits für das folgende Leben den Tod durch Verbrennung aussucht (Fall 1).

Doch die Erkenntnis aus höherer Sicht, dass die Erfahrung des Gegenteils der All-Harmonie und All-Liebe der ur-eigentliche Grund für schmerzliches Geschehen ist, werden nur die in ihrer Spiritualität weit Fortgeschrittenen haben. So bleibt es bisher nur wenigen vorbehalten, diesen “inneren Willen“, wie Aurobindo sich ausdrücken würde, zu erkennen. Für die anderen ist die Gültigkeit des Karmagesetzes ein einsichtiger und darum ausreichender Grund, sich diesem zu unterwerfen.

Wir können auch mit Mitgliedern unserer Gruppe verabreden, in einer erneuten Inkarnation etwas gemeinsam zu lernen, uns also als sich gegenseitig unterstützende Freunde, Ehe- oder Liebespartner, Familienmitglieder oder Verwandte zu begegnen. Die meisten Verabredungen dienen dem Lernenwollen in der Schule des Lebens. Nur wenige verabreden sich aus reinem gegenseitigen Vergnügen. Aus bestimmten Gründen mag der uns bei diesen Vorbereitungen zur Seite stehende Lehrer, Geistführer oder Karmaberater auch Seelen aus anderen Gruppen wählen, beispielsweise um  ein bestimmtes Lernprogramm durchzuführen, wenn sich niemand in der eigenen Gruppe so gut für das geplante Vorhaben eignet. dassdas zu erlernende neue Programm samt den karmisch noch abzuleistenden Ausgleichungen als solches im Vordergrund steht, müssen die anderen Komponenten wie Geburtsland, Eltern, Lebensbeginn und -dauer von diesen Fakten abhängig gemacht werden. So fragte Elisabeth Kübler-Ross vor ihrer jetzigen Inkarnation im Jenseits - an das sie sich noch erinnern kann - einen Freund, warum er sich für ein Leben als Kind in Afrika entschieden habe und dort verhungern wolle. Und dieser antwortete: “Solch ein Leben würde mein Mitgefühl erweitern.“ Und erklärend fügte er hinzu, dass er in seinem früheren Leben kein Mitgefühl für andere gehabt habe. Aber nicht alles, was wir - auch an schwer Ertragbarem - für ein erneutes Erdenleben auswählen, hat unbedingt mit früheren Leben oder dem daraus resultierenden Karma zu tun. Mit Recht weist Edgar Cayce darauf hin, dass man sich in den Plan seines anzutretenden irdischen Lebens auch Schicksale schreiben kann, die karmalos sind und die ich oben unter der Rubrik 22 als karmaloses Karma bezeichnet habe. Ich kann mich also frei entscheiden, ein mongoloides Kind zu werden, um dadurch anderen als Liebesaufgabe zu dienen. Ich kann mir auch wünschen, mit einer Fussverkrüppelung auf die Welt zu kommen, um nicht wieder wie in den Leben zuvor den äusseren Dingen nachzulaufen, sondern dieses Leben dazu zu nutzen, mich mit geistigen Dingen zu befassen. Doch auf jeden Fall bin ich es selbst, der den diesbezüglichen Plan entwirft. Also nicht jedes Schicksal muss sich auf ein Karma beziehen, doch es bezieht sich auf eine Ursache, die ich durch meinen freien Willen vor meinem Lebensantritt in eigener Regie gesetzt habe. Aber die allermeisten Schicksale sind karmabedingt.

Hat eine Frau im vorausgegangenen Leben aufgrund ihrer Schönheit viel Widerwärtiges erfahren, so wird sie sich jetzt eventuell wünschen, unattraktiv zu sein. Oder sie kann auch sagen: “Nein, ich möchte nochmals genauso schön sein und dann beweisen, dass ich stark genug bin, um gegen alle Verführungen gewappnet zu sein. Denn ich habe jetzt hier gelernt, wie ich mich richtig verhalte. Mein Erlerntes möchte ich jetzt auf die Probe stellen.“ Natürlich wird, falls sie bei ihrem Willen bleibt, diesem nach Möglichkeit stattgegeben. Doch in diesem Fall wird man sie zu ihrem Besten sicherlich davon zu überzeugen versuchen, dass vorerst vielleicht noch andere Leben als Vorbereitung angebracht sind, bevor sie sich wieder ebensolchen Versuchungen aussetzt. Wir schauen also auf unser Karmakonto, um genau zu sehen, was noch auszugleichen ist, machen aber auch von unseren Bonuspunkten Gebrauch. So jemand wollte, könnte er als reicher Mann inkarnieren. Doch kennt man die damit verbundenen Gefahren vielleicht aus eigenen früheren Leben oder aus der Betrachtung früherer Leben anderer Gruppenmitglieder. Denn als Reicher kann man sich leicht in den Besitz verstricken, so dass man nicht den Reichtum hat, sondern jener die eigene Seele gefangenhält. So schnell ist etwas Liebloses in die Wege geleitet, das dann wieder ausgeglichen werden muss. Doch kann jemand gerade deswegen ein Leben als Reicher erwählen, weil er sich selbst testen will, ob er sich von jenen Fallen der Lieblosigkeit noch aus der Bahn werfen lässt. Im allgemeinen meidet man ein Leben als Reicher, obwohl das im Erdenleben irrigerweise von vielen so sehr angestrebt oder erträumt wird.

Im Jenseits bereitet man sich intensiv auf eine neue Inkarnation vor. In Rollenspielen werden bevorstehende Situationen schon einmal eingeübt. Auch kann man sich schon für den zu ergreifenden Beruf vorbereiten, wie wir in Fall 2 gesehen haben, wo die Seele des russischen Kaufmanns sich als ehemaliger Vergewaltiger im Jenseits freiwillig für ein nächstes Leben als Frau entscheidet, die verbrannt werden wird. Hier eignet sich diese Seele schon im Jenseits Grundkenntnisse auf dem Gebiet des Kräuterwissens an, die sie dann als alleinstehende Frau benötigen wird. Dies erklärt auch das Phänomen der Wunderkinder. Entweder bringen sie diese Talente aus früheren Leben mit oder sie haben sie sich im Zwischenleben angeeignet.

Das Geschlecht, in das man inkarnieren möchte, sucht man sich immer selbst aus. Und zwar geschieht dies dem zu Erlernenden beziehungsweise Auszugleichenden entsprechend. An sich sind wir als reiner Geist geschlechtslos. Doch sind wir einmal in die Dualität eingetaucht und haben uns zum Erfahren des Gegenteils der All-Einheit eine Seele angeeignet, dann benötigen wir für jede Inkarnation eines der beiden Geschlechter. Die Wahl des Geschlechtes, das also ebenfalls unserer Entscheidung unterliegt, kann von Inkarnation zu Inkarnation wechseln. Doch gewöhnlich wählen wir ein längeres Programm in ein und demselben Geschlecht. Wenn ich mit der Macht umzugehen lernen will, werde ich mir meistens mehrere Männerleben vornehmen. Wenn ich aber die Mutterschaft von allen Seiten erlernen will, benötige ich mehrere Leben als Frau. Denn hier gibt es viel zu lernen. Ich kann Mutter eines behinderten Kindes sein wollen, um ihm viel Liebe zukommen zu lassen. Das Kind wird mir dann Lernmittel der Liebe sein. Ich kann Mutter sein wollen von vielen Kinder. Ich kann auch dadurch lernen, dass ich trotz eines Kindes (oder mehrerer) keinen Ehemann oder engen Partner habe und in bitterster Armut lebe. Und ich kann viel daraus lernen, wenn ein Kind nach dem anderen sterben sollte. Doch meistens streuen wir diese besonderen Lernprogramme in die verschiedenen Frauenleben mit ein. Denn jedes Leben, soll es ein erfüllendes sein, ist bis zum Rand mit den verschiedensten Lernaufgaben gefüllt.

Man achtet von Seiten der Karmaberater und Mitplaner des anzutretenden neuen Erdenweges auch darauf, dass sich niemand überlädt. Deshalb kann Elisabeth Kübler-Ross in ihren Vorträgen mit Gewissheit sagen: “Man erhält nie mehr, als man ertragen kann.“ Das heisst auch, dass eines jeden Schicksal auf Erden, ganz egal, welche Ausmasse es annimmt, genau für einen bemessen ist und als solches, auch wenn es aus der irdischen Perspektive ungeheuerlich und unertragbar erscheint, nie zuviel für einen ist und deshalb mit Tapferkeit bis zu Ende getragen werden soll. Denn wer vor seinem Schicksal verzagt und sich deswegen das Leben nimmt oder in sich zurückzieht, hat nichts, aber auch gar nichts gewonnen - ausser der Sicherheit, dass er ebendieses Programm mit all seinen Lernaufgaben irgendwann einmal zu wiederholen hat. Und wir erinnern uns, dass ein jedes Leben auch nur das bestmögliche sein kann, dass es zuvor bis ins kleinste erwogen wurde und wir genau das darin zu lernen versuchen, was wir uns aus eigener Entscheidung oder mit unserer Zustimmung vorgenommen haben. Wer vor dem Erdenleben zögernd und ängstlich verzagt, macht es sich doppelt schwer. Wer jedoch mit Mut und unverzagt an das Zu-Durchlebende herangeht, wird seine Aufgaben viel eher meistern. Darum: mit Mut das Leben geniessen und Freundschaft mit dem Karma schliessen. Denn wir sind auch Schöpfer unseres Lebens, das wir unter Beachtung des inneren Liebesgebotes zu einem freudigen gestalten können. Und so uns das Karma durch Kriegswirren, Krankheit, Unfall oder in welcher Form auch immer begegnet - dass wir dann nicht verzweifeln, sondern es bei den Hörnern packen und so gut und tapfer mit ihm umgehen, als wir es vermögen.

Man kann sich natürlich hier auch die Eltern aussuchen, doch mag der Karmaberater sagen, dass die erwünschten Eltern für das beabsichtigte Programm vollkommen ungeeignet sind, muss der Betreffende doch beispielsweise aus karmischen Gründen als Kind und Jugendlicher hart vom Vater geschlagen werden, während der in Aussicht genommene Vater zu sanftmütig ist, um solch ein Programm durchzuführen. Oder, falls jemand unbedingt diese Seele als Vater haben möchte, wird es dann so arrangiert, dass jener sich alsbald von der Ehefrau trennt und diese dann einen neuen Ehemann wählt, der dann die vorgesehene Rolle des erbarmungslosen Zuchtmeisters übernimmt. Es scheint, als ob himmlische Computer alle notwendigen Schritte und vorgebrachten Wünsche optimal bzw. so gut es eben geht austüfteln und berücksichtigen und sodann als Plan vorlegen, dem wir anschliessend zustimmen. Kinder und Jugendliche kommen als Karmaverursacher bis zu Beginn der Pubertät nicht in Frage und dann auch nur bedingt, bis sie körperlich ausgereift sind. Doch können sie schon als Kleinkind Karmaempfänger beziehungsweise Karmaausgleicher werden. Denn habe ich einst ein Kind misshandelt, muss auch ich als Kind misshandelt werden.

Liegt nun der genehmigte Plan, “in welchem das Mass der Strafe und ihre Dauer festgelegt ist“, dem Betreffenden vor, dann “bewegt er sich freiwillig auf seine Strafe zu.“ Der grosse Plotin hat also schon zu seiner Zeit, d. h. vor achtzehnhundert Jahren, erkannt, dass das Karma von uns selbst im Jenseits, “dem vorzüglichsten aller sinnlichen Räume“, vorbereitet, eingesehen und gebilligt wird - Erkenntnisse, die wir erst jetzt durch die empirische Jenseitsforschung mittels Rückführungen gewinnen.

Auch Kriege und Katastrophen werden aus karmischen Erwägungen vorher genau geplant, dienen diese doch bestens dazu, vielen Menschen auf einmal Möglichkeiten des Lernens und des karmischen Ausgleichs zu bescheren. In jeden Krieg, in jede Naturkatastrophe ist eines jeden ganz spezifisches Karma eingebaut. Auch solchem Geschehen haben wir vorher zugestimmt oder es den Karmaarrangierern überlassen, wie sie uns unsere Lernaufgaben im einzelnen präsentieren wollen.

Und noch eine besondere Wohltat wird den zur Rückkehr Bereitstehenden - die so lange auf ihre Reinkarnation zu warten haben, bis die ihnen gerechte und angemessene “Planstelle“ zur Verfügung steht - erwiesen. Sie dürfen vergessen, was sie in früheren Leben erfahren haben, um ihren neuen Durchgang durch ein Erdenleben unbeschwert zu absolvieren. Denn würde der Mensch die volle Erinnerung an alles in früheren Leben oder im Jenseits Vorangegangene bewahren, so würde er sich, wenn er in einem früheren Leben etwa ein Mörder war, in Selbstvorwürfen verstricken und seine neuen Aufgaben nicht unbelastet angehen können, oder es wäre ihm alles viel zu leicht gemacht, dass er ja durch seine Erinnerung an die im Jenseits getroffenen Abmachungen oder Vorsätze den gesamten Daseinsplan samt festgesetzter Todesstunde kennen würde. Deshalb kommt, wie die grosse Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross es ausdrückt, - symbolisch gesprochen - der Engel des Vergessens und löscht vor unserem Einstieg in den Mutterleib die gesamte Erinnerung an Vorhergegangenes.

Sicherlich ist die Todesstunde schon vorprogrammiert. Doch es werden auch Eventualitäten mit eingeplant, zum Beispiel: Wenn du dein Lernprogramm frühzeitig richtig beendet hast, dann kannst du diese Lebensschule bereits eher verlassen. Oder: Wenn du bis zu deinem siebzigsten Lebensjahr all deine beabsichtigten Erfahrungen eingeholt hast, dann kannst du, wenn du möchtest und dir das Leben dort unten gefallen sollte, noch eine von dir selbst zu bestimmende Lebenszeit bleiben, um dann all das noch zusätzlich zu lernen oder zu geniessen, was dir Freude bereiten könnte. Doch die meisten Seelen wollen keine Sekunde länger auf Erden bleiben, als unbedingt nötig. So wenigstens ist ihre Einstellung, bevor sie inkarnieren.

Und auf meine Frage, warum wir überhaupt auf die Erde kommen, wenn im Jenseits alles so herrlich ist, antwortete Elisabeth Kübler-Ross: “Die Erde ist eine Schule des Lernens. Wir müssen in dieser unangenehmen physischen Existenz leben, um Dinge zu lernen, die wir auf der anderen Seite nicht zu lernen vermögen. Denn auf der anderen Seite erleben wir die bedingungslose Liebe. Wie aber könnten wir Liebe lernen, wenn uns alles perfekt in rosigsten Farben begegnet? Hier haben wir zu lernen, mit garstigen und gemeinen Menschen auszukommen, mit abstossender Politik, um zu erfahren, wie man mit Negativität umzugehen hat. Solange wir diese Lektionen nicht gelernt haben, kommen wir immer wieder auf die Erde zurück, bis wir gelernt haben. Deshalb müssen wir viele, viele, viele Male zurückkehren, bis wir schliesslich einen Bewusstseinsgrad erreicht haben, der uns befähigt zu erkennen, dass wir nicht voneinander getrennt sind, sondern dass wir alle in jedem Augenblick eine Einheit bilden. Wenn wir das wirklich wissen und dementsprechend leben, dann können wir sterben, um die Erde für immer zu verlassen.“

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Page revision: 20-07-2007
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