| Manuela ist Beautician, also Kosmetikerin, die sich zum Ziel gesetzt hat, nicht nur das Äussere eines Menschen zu verschönern, sondern diesen auch in seinem Inneren zum Leuchten zu bringen, weshalb sie ihrer Beautyfarm eine Buchhandlung angegliedert hat, in der es allerdings nicht nur bewusstseinserweiternde und die Lebensqualität erhöhende Literatur gibt, sondern auch viel Dekoratives von Edelsteinen bis zu glitzernden Mobiles, von Aurosomafläschchen und Bachblütenessenzen bis hin zu besonderen Düften für inneres und äusseres Wohlbefinden. Sie ist geschieden und hat eine Tochter. Als sie Mitte vierzig war, nahm sie an einem meiner Ausbildungsseminare teil.
Sie wollte gerne wissen, warum sie von ihrer Mutter derart abgelehnt wird. Diese hatte schon in der Schwangerschaft grösste Probleme mit der heranwachsenden Leibesfrucht, dassihr diese körperliches Unbehagen bereitete. Die Geburt war ebenfalls sehr schwierig. Und nachdem das Kind endlich ans Tageslicht gehoben war und ihr gereinigt an die Brust gelegt werden sollte, erklärte sie, dass sie das Kind nicht berühren wolle. Auch in der Folge, wie Manuela späterhin erfuhr, hat ihre Mutter ihr niemals die Brust gereicht. Die ganze Kindheit wurde diesem Mädchen zur schlimmsten Tortur, dassihre Mutter sie noch nicht einmal in ein und demselben Raum dulden konnte, sie entweder sofort hinausschickte oder ignorierte. Somit hatte Manuela schon früh die Gewohnheit angenommen, ihrer Mutter - wo immer möglich - aus dem Wege zu gehen. Noch nie ist sie von der Mutter angefasst oder gar gestreichelt worden, nie hat ihr diese irgendein nettes Wort gesagt. Ihre anderen Kinder konnte sie anfassen oder streicheln und ihnen sogar Koseworte sagen, doch bei Manuela war alles anders. Mit siebzehn konnte sie endlich das Elternhaus verlassen. Nie rief die Mutter sie an. Doch als Manuela nun eine eigene Tochter hatte, fühlte sie sich verpflichtet, diese gelegentlich den Grosseltern zuzuführen. Solche Gelegenheit ergab sich zum Beispiel zum Weihnachtsfest. Sie brachte ihre kleine Tochter, ausgestattet mit einem Geschenk für die Grosseltern, in deren Haus. Manuela musste, während ihre Tochter in das Bescherungszimmer hineingehen durfte, derweil im Flur warten. Vom Flur her hörte sie, wie die Familie die Weihnachtslieder sang, doch sie selbst wollte ihre Mutter nicht dabeihaben.
Dies alles berichtete uns Manuela vor der gesamten Gruppe von Auszubildenden. Ich führte sie nun, nachdem sie sich in der Mitte auf eine Matratze gelegt hatte, vor allen zurück.
Sie nahm sich im Alphazustand alsbald als eine junge und sehr schöne Frau im bürgerlichen Wien um 1770 wahr. Ich nenne sie einmal Konstanze. Sie hatte ein sehr intensives heimliches Verhältnis mit einem einflussreichen Mann. Die beiden hatten sich ineinander verliebt und hätten bestimmt auch den Bund der Ehe geschlossen, wenn nicht, ja, wenn er nicht schon verheiratet gewesen wäre. Damals galt die Ehe noch als ein gottgewolltes Sakrament. Jeder Ehebruch war eine Beleidigung für Ihn und konnte mit Höllen- oder sonstigen Strafen geahndet werden. An eine Scheidung war demnach nicht zu denken. Auch ein öffentlicher Skandal hätte seine einflussreiche Position und weitere Karriere beeinträchtigt. In solchen Fällen gab es damals nur ein probates, jedoch ruchloses Mittel. Man musste den Hinderungsgrund für eine erneute Ehe aus dem Weg schaffen. Konstanze übernahm es, die Ehefrau ihres Geliebten zu vergiften. Als das gelungen war, war der Weg zu seiner zweiten statthaften Vermählung frei.
Vor dem Wolkentor erfährt Manuela nun, dass die damals von ihr vergiftete Frau ihre heutige Mutter ist. Jetzt wird ihr auf einmal ganz klar, warum ihre Mutter sie von klein auf ablehnte, warum sie schon das Kind im Bauch nicht haben wollte. Denn wie alle im Seminar schon erfahren hatten, hat jede Seele eine ganz bestimmte persönliche Ausstrahlung, die vom Emotionalkörper der anderen jeweils wiedererkannt wird. Der Emotionalkörper jener vergifteten Frau hatte damals die Vibrationen von Konstanze als diejenigen gespeichert, die ihr den Tod brachten. Dieser Emotionalkörper, den wir von Inkarnation zu Inkarnation immer wieder übernehmen, bis alle negativen Programme darin endlich gelöscht sind, hatte jene Schwingungen mit in das Leben der Mutter hinübergenommen. Er wird, als Manuelas Seele in den Fötus hineinging, schon abwehrende Reaktionen gezeigt haben, so dass die Mutter von Anbeginn der Beseelung diesen Fötus zurückweisen wollte. Aus diesem Grunde war die Schwangerschaft für die Mutter ein Alptraum. Jetzt versteht Manuela auf einmal, warum ihre Mutter sie noch nicht einmal in ihrer Nähe dulden konnte - deren Emotionalkörper reagiert psychisch allergisch auf ihre Nähe. Das ganze Verhalten ihrer Mutter ihr gegenüber wird ihr aus der karmischen Perpektive nun voll erklärlich. Nun fällt es ihr auch sehr leicht, ihr den Kelch der Liebe und der Vergebung zu bringen. Sie geht zunächst mit diesem Kelch in das Leben als Konstanze, reicht ihn der Ehefrau ihres Liebhabers und bittet sie innigst, ihr den Mord zu vergeben. Und dann geht sie in ihrer Vorstellung zu ihrer heutigen Mutter, steht vor ihr, reicht ihr diesen Kelch und bittet sie ebenfalls um Vergebung für das, was sie ihr damals angetan hat, wie sie sich diesen schliesslich auch selbst reicht, um sich nun von aller früheren Schuld zu lösen.
Eine Woche später berichtete sie mir folgendes: “Du wirst es nicht glauben. Als ich nach diesem Seminar zu Hause ankam und noch den Türgriff in der Hand hielt, läutete das Telephon. Mir gelang es noch rechtzeitig, den Hörer abzunehmen. Und rate einmal, wer am anderen Ende war! Meine Mutter! Es war der erste Anruf, den ich je in meinem Leben von ihr erhalten habe. Und sie sagte: ‘Meine Liebe ...’ - so bin ich noch nie von ihr genannt worden - ‘ich weiss, dass du im nächsten Sommer nach Amerika reisen möchtest. Ich habe zufällig (!) morgen nachmittag einen Amerikaner zu Besuch bei mir. Komme doch bitte morgen um vier Uhr zum Tee zu mir, damit ich dir diesen Herrn, der dir bestimmt viele Auskünfte erteilen kann, vorstelle.’" Manuela war zuerst sprachlos. Doch dann sagte sie zu. Sie konnte das alles nicht verstehen. Was hatte sich plötzlich mit ihrer Mutter zugetragen? "Sollte etwa die Rückführung ...?" Am nächsten Tag läutete Manuela um vier Uhr an der Klingel ihres Elternhauses. Ihre Mutter öffnete die Tür, umarmte sie mit Herzlichkeit, nahm sie bei der Hand und führte sie dem schon anwesenden Gast zu. Ihr abweisendes Verhalten ihrer Tochter gegenüber hatte sich um hundertachtzig Grad gedreht. Drei Jahre später, nachdem Manuela schon eine sehr erfolgreiche Rückführungsleiterin geworden war, traf ich sie auf einer Messe. Ich fragte sie, wie es um ihre Beziehung mit ihrer Mutter stehe, und sie antwortete: “Wir sind jetzt Freundinnen.“
Was war passiert? Die Seele der vergifteten Frau, die sich heute im Körper von Manuelas Mutter befindet, hatte fast zweihundertfünfzig Jahre darauf gewartet, dass sich die Seele ihrer Mörderin bei ihr entschuldigt. Und nachdem dies geschehen war, war ihre Ablehnung der Tochter gegenüber aufgehoben. Mit anderen Worten, das negativ geladene karmische Band zwischen Mutter und Manuela hatte sich auf einmal aufgelöst, es bestand nicht mehr. Und weiterhin ist bemerkenswert, dass Manuela diesen Vergebungssprozess ja im Seminarraum, also weit weg vom Hause der Mutter, durchführte. Und trotzdem ist die vollzogene Vergebung von ihr empfangen worden und ihr unbewusst wohl auch gewährt worden. Denn die Mutter hatte damals nichts von diesem Vergebungsakt erfahren. Wir Menschen sind noch so unwissend, was die vielen Geheimnisse betrifft, die uns Menschen verbinden oder gegenseitig abstossen. Wir kennen zwar die Gesetzmässigkeiten der Übermittlung physikalischer Wellen. Aber über die Vermittlung beziehungsweise Transferenz von psychischen Wellen wissen wir noch fast gar nichts. Wir haben noch unendlich viel zu lernen und vielleicht auch - mit Bescheidenheit und Mut - uns neuen, bisher belächelten Daseinsbereichen zuzuwenden.
Interessant ist auch, an diesem Beispiel das Eingreifen einer unsichtbaren Hand erahnen zu können. Denn sicherlich war dieser karmische Auflösungsprozess von höherer Hand vorbereitet, ja ganz bestimmt von der Seele Manuelas und der ihrer Mutter schon auf der jenseitigen Ebene besprochen worden. Und diese unsichtbaren Einwirker haben es so arrangiert, dass die Mutter gerade dann, als Manuela ihr Karma mit ihr auflöste, einen Amerikaner zum Tee geladen hatte, der nun den willkommenen Anlass bot, die Tochter herbeizubitten. Und noch eigenartiger ist der Umstand, dass die Mutter die Tochter an der Haustür wie selbstverständlich umarmte, und zwar so, als ob zwischen beiden nie etwas gewesen wäre. Dieser Auflösungsprozess in der Rückführungstherapie hatte ihr karmisch bedingtes Zurückweisungsverhältnis vollkommen aufgelöst, ja geradezu vergessen lassen. Nun können wir uns ein Bild davon machen, was die Rückführungstherapie alles zu leisten vermag, denn um nichts Geringeres handelt es sich hierbei, als karmische Verhältnisse disharmonischer Art aufzulösen und sogar zur Harmonie zu führen. Sicherlich wird dies nicht in jeder Rückführungstherapie sogleich in ebenso erfolgreicher Weise durchzuführen sein, aber man kann nie wissen, und auf einen Versuch sollte man sich immerhin einmal einlassen. Und wenn die Rückführungstherapie nur die Hälfte von dem erreicht, was zwischen Manuela und ihrer Mutter erreicht worden ist, dann ist sie schon ein Segen für die Menschheit. Ehepaare können einer Beziehung, die sich ins Disharmonische gewendet hat, auf den Grund gehen und sie eventuell wieder heilen. Das Karma ist also nicht mehr eine unausweichliche Konstante, der wir unterworfen sind, sondern wir können von nun an den karmischen Verflechtungen auf den Grund gehen und auflösend eingreifen. Dies wird eine der grössten Errungenschaften sein, mit denen wir in das neue Jahrtausend eintreten.
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