| Gabriele ist Ballettänzerin gewesen und nun mit ihren vierzig Jahren Trainingsleiterin an einer deutschen Bühne. Sie hat oft ein Gefühl, als ob ihr der Hals zugeschnürt sei und sie keine Luft bekäme, ganz abgesehen von häufigen Halsschmerzen. Sie war schon vor einem Jahr bei mir. Wir hatten uns damals ihre Migräne und ihre Zahnprobleme vorgenommen und unter anderem drei Täterleben aufgedeckt. Der Erfolg war für sie überwältigend. Denn sowohl die Migräne als auch die notorischen Zahnprobleme waren behoben. Nun wollte sie auch ihre Halsprobleme noch loswerden und dabei, falls es in einer Sitzung zu bewerkstelligen sei, auch noch ein anderes Problem angehen, das darin bestand, dass sie privat immer allein war und trotz einer angenehmen Erscheinung kein engeres Verhältnis zu einem Mann herstellen konnte - sehne sie sich doch nach einer harmonischen Beziehung.
Im Täterleben war sie ein rüder Mann von dreissig Jahren namens Frank. Er zog in Deutschland im Jahre 1491 herum und war unverheiratet, was sicherlich seine Sucht nach Sexualität mit zum Teil erklären konnte. Doch war er ein unangenehmer Geselle, der vor nichts zurückzuschrecken schien. So hat er schon einige Frauen vergewaltigt und dann schnell das Weite gesucht. Er schien mit diesem Vorgehen oft Erfolg gehabt zu haben. Doch in diesem Jahr nahm er sich eine Prostituierte mit auf sein Gasthauszimmer. Es kam zum Streit. Frank würgte die Frau und schnitt ihr schliesslich die Kehle durch. Wieder auf der Flucht wurde er diesmal doch eingefangen und gehängt.
In ihrem Opferleben ist Gabriele im Jahre 1756 in einem französischen Kloster eine fünfundzwanzigjährige Nonne namens Sophie. Sie kommt aus einem sehr vermögenden, adligen Haus, hat aber von ihrer Mutter wie auch vom Vater keine Liebe erhalten - erstere erschien ihr ganz fremd und abweisend, während der Vater meist unterwegs war. Mit siebzehn kommt sie ins Internat und entschliesst sich alsdann, sofort ins Kloster zu gehen. Doch eines Tages kommen Männer angeritten und fordern die Herausgabe von Sophie, dass sie widerrechtlich, das heisst ohne Einwilligung des Vaters, ins Kloster gegangen sei. Ihr Vater habe die Boten entsandt, und ein entsprechendes Schreiben vom Bischof liege ebenfalls vor. Der Mann, der Sophie hinter den Klostermauern hervorholt, ist von ihrem Vater als ihr Ehemann ausersehen worden. Dieser sieht nach ihrem Dafürhalten eklig aus, ist fünfzehn Jahre älter und ebenfalls sehr vermögend. Als sie nach der Hochzeit mit diesem ungeliebten Mann das Bett teilen muss, stinkt er nach Alkohol. Sie verweigert sich ihm. Er schlägt und würgt (!) sie. Aus Angst vor ihm und seinen Gewaltanwendungen lässt sie zukünftig alles über sich ergehen. Und trotzdem scheint es ihm Spass zu bereiten, sie physisch zu quälen. Zu ihrem Glück ist ihr Mann Henry oft auf Reisen. Sie gebiert ihm zwei Kinder. Mit fünfzig Jahren liegt sie im Sterben.
Ich fordere sie auf, auf ihr Leben zurückzublicken und mir zu sagen, was sie anders oder nie wieder machen würde, wenn sie ein erneutes Leben haben könnte. Und sie antwortet: “Ich will nie wieder nichts sagen. Ich habe mich nie gewehrt. Ich will nie wieder gegen meinen Willen gezwungen werden. Ich will nie wieder eine Beziehung zu einem Mann haben. Ich will allein sein.
Diese letzten Gedanken und Gefühle, ausgedrückt oder im Inneren bewahrt, sind die eigentlichen Programmierungen für zukünftiges Erleben. Darum sollte man befreit sterben können, denn das, was ungelöst geblieben ist, findet seine Fortsetzung in späteren Erdenleben. Ihre beiden letzten Sätze hat sie mit in das Leben genommen, das zweihundert Jahre nach diesem Leben nun als Sophie in Deutschland stattfindet. Die Programmierungen: “Ich will allein sein und ich will keine Beziehung zu einem Mann haben” haben sich voll erfüllt. Und diese würden sich vielleicht auch noch in ein oder mehrere künftige Leben fortgepflanzt haben, gäbe es heutzutage nicht die Rückführungstherapie. Ihre Halsschmerzen hängen mit diesen beiden aufgedeckten Leben zusammen. Und so kommt es in der Rückführungstherapie immer wieder vor, dass ein aufzudeckendes Problem beziehungsweise Symptom an eine ganze Reihe anderer Symptome und Probleme gekoppelt sein kann, so dass letztere mit der Auflösung und Kelchreichung gleich mit behoben werden können Ich kann mir denken, dass Gabriele nun in einer vielleicht sogar erfüllten Beziehung lebt und sich von diesem Mann sogar am Hals anfassen lassen kann, ist doch dieser Hals jetzt sicherlich schmerzfrei, und von einem Erstickungsgefühl dürfte auf jeden Fall keinerlei Rede mehr sein.
Hier haben wir wieder einen Fall, wo der Übeltäter (Frank) durch ein gleiches oder ähnliches Schicksal noch im selben Leben den karmischen Hauptausgleich erhält, indem er einen Tod erleidet, bei welchem ihm ebenfalls die Luft wegbleibt. Aber damit war das Karma am Hals noch nicht ganz ausgeglichen. Als Sophie wurde sie noch öfter gewürgt. Und man kann sich vorstellen, wie grauenhaft jene Erlebnisse gewesen sein müssen, dürfte sie doch aus dem Täterleben ohnedies schon eine eventuelle Halsphobie mitgebracht haben, deren Nachwirkungen ja auch im heutigen Leben noch den Hals beeinträchtigen einschliesslich häufiger Schmerzen. Diese sind, wie wir sahen, meist Erinnerer an seelisch noch nicht geklärte karmische Ursachen. Sie wollen uns daran erinnern, diese endlich aufzulösen. Auch wird in diesem Fall wieder ein typisches Reaktionsverhalten, basierend auf karmischen Schuldgefühlen, demonstriert. Denn oft wählt eine Seele nach einem Täterleben ein Leben in Busse, wird zum Beispiel Nonne oder Mönch, um (unbewusst) zum einen aufgeladene Schuld aus früherem Leben abzubüssen und sich zum anderen in eine gesicherte Situation zu begeben, wo sie nicht wieder in ein Täterverhalten zurückfallen kann. So können selbst Nonnenleben einen karmischen Hintergrund haben.
Bevor ich dieses Buch zwecks Durchkorrektur per Email einer Lektorin zuschickte, gelang es mir, Gabriele am Telephon zu erreichen. Sie versicherte mir, dass sie sich seit dieser Rückführung innerlich gefestigter fühle, in einer befriedigenden Beziehung lebe, ja sogar hin und wieder als frühere Antialkoholikerin ein Glas Bier trinke und - was das wohl wichtigste Ergebnis dieser Rückführung war, dass die Halsschmerzen verflogen seien und sie sich jetzt sogar am Hals anfassen lassen könne.
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