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Das grosse Karma-Handbuch

Warum sie sich selbst den Verbrennungstod als Hexe ausgesucht hatte (Asthma)

Angelika ist eine Frau von vierundvierzig Jahren und in zweiter Ehe mit einem Arzt verheiratet. Schon von Kind auf hatte sie das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, wobei Keuchhusten nur eines der vielen Symptome war. Ab dem fünfzehnten Lebensjahr wurden ihr Medikamente gegen Asthma und Pollenallergie verschrieben. Als man sie mit siebzehn mit Heu bewarf, erlitt sie einen Panikzustand. Asthma samt Erstickungsanfällen war ihr ständiger Lebensbegleiter, und die Zeit der Pollenflüge machte ihr Leben zum Alptraum. Staub- und Federnallergie hatten sich zu allem Überfluss noch ihrem Krankheitsbild hinzugesellt. Mit sechsunddreissig Jahren bekam sie zusätzlich Lungentuberkulose. Die asthmatischen Zustände verschlimmerten sich, und trotzdem wollte sie ihre Raucherleidenschaft nicht aufgeben, so dass sie, wie sie sich in der Befragung ausdrückte, in der einen Hand die Zigarette hielt und in der anderen die Dose mit dem Asthmaspray. Neben einer Spinnenphobie litt sie ausserdem unter Höhenangst und fühlte sich in Menschenmengen höchst unwohl.

dassAngelika sich bei mir zur Rückführungsleiterin ausbilden liess, entschied ich mich, sie vor den anderen Auszubildenden zu Demonstrationszwecken zurückzuführen und die Ursachen für ihr Asthma aufzudecken.

Nachdem ich sie in den Alphazustand versetzt hatte und sie vom Höheren Selbst vor jenes Wolkentor geführt worden war, hinter dem sie ein Leben gelebt hatte, in dem eine Ursache für ihr heutiges Asthma zu finden war, befand sie sich nach Durchschreiten dieses Tores in einem Leben in der Normandie im Jahre 1346 und gab an, Suzanne Brisson zu heissen, dreiundzwanzig Jahre alt zu sein und sich und ihre Kinder vom Verkauf von Kräutern zu ernähren. Mehrere Milizen der Stadt seien gerade zu ihr in die Mühle, wo sie zu Besuch weilte, gekommen, hätten sie beschuldigt, die Kühe der Gegend vergiftet zu haben, und schleppten sie jetzt mit in die Stadt. Auf meine Frage hin, ob sie wisse, warum man diese Anschuldigungen gegen sie vorbringe, berichtete sie folgendes: Sie habe seit zwei Jahren ein Verhältnis mit einem Edelmann der Stadt namens Jean-Jacques Bernadotte, Sohn des Stadtgrafen von Rennes, den sie im Wald getroffen hätte und der seitdem öfters in ihr abgelegenes Haus am Waldrand gekommen sei, doch liebte sie insgeheim noch immer einen anderen Mann, von dem sie schon zwei uneheliche Kinder besass und der sie verlassen hatte. Jean-Jacques habe sie nie richtig lieben können, weshalb sie sich schliesslich geweigert habe, ihn weiterhin in ihr Haus zu lassen. Er nähme jetzt wohl Rache dafür, dass sie ihn abgewiesen habe.

Die mit Kettenhemden bekleideten und mit Speeren bewaffneten Stadtmilizen bringen sie in einen Kerker. Sie berichtet, dass sie entsetzliche Angst habe, sei doch ihre Freundin ebenfalls schon der Hexerei angeklagt und öffentlich verbrannt worden. Am nächsten Tag liest ihr ein Mann in schwarzer Kleidung die Anklage vor. Sie habe den bösen Blick und behexe Männer. Auch hätte sie mit diesem vor kurzem eine Frau angeschaut, worauf diese eine Fehlgeburt erlitten habe. Durch Zauberei habe sie weiterhin die Kühe dieser Gegend mit einer Krankheit behext, so dass viele darunter schon gestorben seien. Sie sei erwiesenermassen eine Hexe und werde öffentlich verbrannt. Daraufhin zieht man die ihre Unschuld Beteuernde an den Haaren die Treppen hinab und führt sie zurück in den Kerker.

All diese Vorgänge werden von Angelika so berichtet, als ob sie sie lebendigen Leibes erlebte. Die Gesichtszüge verzerren sich, Tränen fliessen, Entsetzen und Verzweiflung ist von ihrem Gesicht abzulesen.

Und nun schildert sie den Tag ihrer Hinrichtung. Einen der Kerkerwächter, die sie nun herausholen und sie ein weisses Hemd anziehen heissen, kennt sie noch gut von früher her. Sie bittet ihn, auf ihre beiden kleinen Kinder aufzupassen, und er nickt. Als sie nun auf den Marktplatz geführt wird, wird sie mit Gejohle von der Menschenmenge begrüsst, die ihr demütigende Worte zuschreit und sich allerseits darauf zu freuen scheint, dass ihr nun ein Schauspiel geboten wird. Auf den Stufen der Kirche entdeckt sie Geistliche und zu ihrem Schrecken auch Jean-Jacques. Denn sie hatte immer noch gehofft, dass er sie aufgrund seines Einflusses befreien könnte. Während sie zum Schafott geführt wird, flüstert ihr ein mitfühlender Kirchenmann noch zu, dass sie bald Frieden haben werde, denn der Satan werde durch das Feuer aus ihr herausgehen. Auf dem Gerüst bindet man sie an einen Pfahl. Ein anderer Kirchenmann, ihr das Kreuz entgegenhaltend, fragt sie laut, ob sie noch bekennen wolle. Doch Suzanne spuckt unter dem Gejohle der Menge verachtungsvoll in seine Richtung. Dann ertönt ein Trommelwirbel. Sie schaut noch zu Jean-Jacques hinüber, doch dieser wendet den Blick zu Boden. Dann schlagen die Flammen an ihrem Körper hoch.

Angelika beginnt nun zu husten. Wie sich in meinen therapeutischen Rückführungssitzungen immer wieder zeigt, hat eine ganze Reihe von Asthmatikern einen Tod auf dem Scheiterhaufen durchleiden müssen. Denn die am Körper emporschlagenden Flammen entziehen dem nach Luft Ringenden den Sauerstoff, so dass man meist schon erstickt ist, bevor das Feuer den Körper in tödliche Mitleidenschaft zieht.

Auf einmal befindet sich Suzanne ausserhalb ihres Körpers und betrachtet das ganze Geschehen aus der Vogelperspektive. Sie blickt in die noch vor Entsetzen erstarrten Gesichter der Anwesenden. Doch plötzlich schwebt sie zu ihrem Haus am Waldesrand und sieht, wie die dicke Müllersfrau sich um ihre beiden Kinder kümmert. Und dann entdeckt sie Lichtgestalten um sich herum und erkennt darunter ihre Eltern. Suzanne wird nun “ins Licht” geführt, wie sie es beschreibt. Sie gelangt zuerst in eine grosse Halle. Dort erkennt sie andere Gestalten/Seelen wieder, die zusammen eine grosse Familie bilden, zu der sie ebenfalls gehört. Ein weiser alter Mann namens Abraham nimmt sie in den Arm. Eine Frau nimmt sie an die Hand und erklärt ihr auf ihre Frage nach dem Warum des grausamen Geschehens, dass sie es vor ihrer Geburt als Suzanne selbst entschieden habe, verbrannt zu werden, denn sie hatte in einem früheren Leben selbst Menschen verbrannt oder verbrennen lassen.

Nun führte ich Angelika aus jenem Leben als Suzanne wieder zurück vor das Wolkentor, wo das Höhere Selbst ihr offenbarte, dass ihre beiden Kinder auch in diesem Leben wieder ihre Kinder seien und dass jener Jean-Jacques ihr heutiger zweiter Ehemann sei, jener Priester aber, den sie angespuckt hatte, ihr erster Ehemann. Später berichtete sie uns, dass sie immer, wenn sich ihr einer dieser Ehemänner nahte, eine Enge auf der Brust gespürt habe und oftmals husten oder sich räuspern musste. Wie wir hieraus ersehen, können Personen, die mit der Ursache eines Symptoms in einem früheren Leben zu tun hatten, in diesem Leben wieder Auslöser oder Verstärker ebenjenes Symptoms sein. Doch nun forderte ich sie auf, ihr Höheres Selbst zu bitten, sie in jenes Leben zu führen, in dem sie den Tod durch Verbrennen anderer verursacht hatte.

Sie sieht sich als einen germanischen Krieger des Jahres 572 namens Igurk. Auf mein Nachfragen hin gesteht er, schon zahlreiche Frauen mutwillig genommen, viele Menschen getötet und oft auch anderweitig geraubt und gebrandschatzt zu haben. Im Augenblick bereiten er und andere sich wieder auf die Plünderung eines Dorfes vor, und zwar aus Langeweile. Er beschreibt nun, wie er mit zwölf bis dreizehn weiteren Kriegern das Dorf überfällt. Die Leute reissen in Panik vor ihnen aus. Die Eindringlinge plündern, verwüsten, brennen die Häuser nieder. Er selbst zündet eine Hütte an, hört auf einmal das Schreien eines Kindes. Dieses Schreien sei ihm nicht mehr aus den Ohren gegangen. Er habe in der Folge sein Kriegerdasein beendet und späterhin ein Leben als Bettler geführt, doch immer wieder an dieses Kind denken müssen, weshalb er seine Taten bereut habe.

Nach seinem Tod steht er neben seinem Erdenkörper. Jäh überkommt ihn die Angst, jenen zu begegnen, denen er in seinem Leben als Igurk Schmerz oder gar den Tod zugefügt hat. Und als ich ihn frage: “Was würdest du rückblickend sagen, wenn du sagen solltest: ‘Ich will nie mehr ...’” antwortet Igurk/Angelika: “Ich will nie wieder anderen weh tun. Ich will immer Respekt vor dem Leben anderer zeigen und mich immer für Schwächere einsetzen.”

Auf dem Berg der Erkenntnis erfährt Angelika nun, dass die Ursache für ihr Asthma aufgedeckt ist und es deswegen keines weiteren Aufsuchens eines anderen Lebens bedürfe, jedoch der Ursache ihres Heuschnupfens noch in einer anderen Rückführung nachgegangen werden könne. Auch ihre Angst vor Menschenansammlungen käme aus diesem Leben als Suzanne. Mit dem goldenen Kelch und seinem Inhalt geht Angelika nun in jenes Leben als Igurk, bittet dort alle, denen Igurk damals Leid zufügte, um Vergebung und reicht diesen Kelch auch Igurk selbst und spricht ihn von aller Schuld frei. Anschliessend bringt Angelika diesen Kelch in das Leben der Suzanne, verzeiht all ihren Widersachern und auch den Menschen, die frohlockend ihrem Feuertod beiwohnten, reicht ihn auch der Suzanne und spricht sie nun frei von allem in jenem Leben erfahrenen Leid. Schliesslich geht sie mit diesem Kelch der Liebe, der Vergebung und der Leid- und Schuldauflösung auch in ihr heutiges Leben und reicht ihn ihren beiden Ehemännern, denen sie ihr früheres Tun vergibt, gibt ihn auch ihren Kindern und bittet sie um Vergebung, dass sie ihnen durch ihren damaligen frühen Tod ein schweres Leben bereiten musste, reicht ihn schliesslich auch sich selbst und vergibt sich all das, was sie als Igurk anderen zugefügt hat und heilt auch ihr Leiden aus dem Leben als Suzanne. In den Kiefernzapfen stopft sie dann alles das hinein, von dem sie sich jetzt befreien will, also: “Ich befreie mich von all meinen Lungenproblemen, von meinem Räuspern, von meiner Angst vor Männern und vor grösseren Menschenansammlungen. Und ich befreie mich von dem Zwang, mich und andere zu bestrafen. Und ich befreie mich von allen meinen Schuldgefühlen.”

Nachdem ich sie wieder in die Gegenwart zurückgeführt hatte, jubelte sie kurze Zeit später: “Ich kann ja auf einmal wieder frei atmen!” Wie sie erklärend hinzufügte, war es das erste Mal seit vielen Wochen, dass ihre Atemwege frei waren, und sie hatte das Gefühl, als ob eine schwere Last von ihrer Brust genommen sei. Zwei Wochen später rief ich sie zu Hause an, um mich nach ihrem Asthma zu erkundigen. Und sie sagte mir, dass zwei Tage nach jener Rückführung die Atemwege wieder ein wenig enger geworden seien, es sich dann jedoch von Tag zu Tag besserte, so dass ihr Asthma jetzt vollkommen weg sei. Doch wolle sie bei nächster Gelegenheit noch eine weitere Rückführungstherapie durch mich vornehmen lassen, um sich auch noch von ihrem Heuschnupfen zu befreien; es habe damit jedoch Zeit, dass dieser sie augenblicklich der winterlichen Jahreszeit wegen ja nicht plage.

Jene Frau, welche die Suzanne im Jenseits an die Hand nahm, hatte ihr gesagt, dass sie sich den Verbrennungstod selbst ausgesucht habe. Im Zwischenleben werden wir mit dem soeben beendeten Leben konfrontiert und sehen aus höherer Perspektive, was wir richtig und was wir falsch gemacht haben. Haben wir massiv gegen die Liebe verstossen, so empfinden wir das Bedürfnis, das Verfehlte wiedergutzumachen. Wir erfahren dann von den uns dort Betreuenden, dass wir nur dann ein verfehltes Verhalten als solches in unseren Erfahrungsbereich integrieren können, wenn wir das, was wir anderen zugefügt haben, an der eigenen Seele erfahren. Und wir erfahren auch, dass wir nur dann seelisch wachsen können, wenn wir all das Verfehlte, das gegen die Liebe war, durch eigenes Erleben kennengelernt und somit ausgeglichen haben. Somit entscheiden wir uns nach solch einer Einsicht dazu, den karmischen Ausgleich an uns geschehen zu lassen. Wir haben den freien Willen, ob es schon gleich in den Folgeleben geschehen soll oder erst in einem späteren Leben, dass wir eventuell erst noch anderes erlernen beziehungsweise erfahren wollen oder müssen.

Doch sollte es noch ein ganzes Jahr dauern, bis sich anlässlich eines Supervisionsseminars für Angelika endlich die nächste Gelegenheit fand, die Ursachen ihres Heuschnupfens aufzudecken.

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Page revision: 20-07-2007
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